Geschichte Häfler Hütte

Geschichte und Geschichten über und um die Friedrichshafener Hütte und das Paznuntal.haefler huette mit see

Die Geschichte der Friedrichshafener Hütte ist eng mit der Geschichte der Sektion Friedrichshafen des DAV verbunden.
Gegründet wurde die Sektion Friedrichshafen am 24.11.1911.

1. Vorsitzender war Graf Ferdinand von Zeppelin.
Er hieß genauso wie sein berühmter Patenonkel und war der Sohn des Bruders von Graf Ferdinand von Zeppelin, Graf Eberhard von Zeppelin.

1908 wurde die Friedrichshafener Hütte von Benjamin Kathrein, dem Rössl-Wirt und Fraktionsvorstand (Ortsvorsteher)
der Gemeinde Mathon erbaut.

Benjamin Kathrein baute die Gastwirtschaft übrigens mit Badehäuschen, weil er sich durch den Alpbetrieb, als Ausflugslokal für die einheimischen und mit dem aufkommenden Fremdenverkehr eine gute Einnahme versprach.


haefler huette sonnenterasseDie Muttenalpe war eine große Alpfläche mit bewässerten Wiesen, Viehställen und Heuhütten in großer Anzahl. Sennen, Gaishirten und Hütebuben frequentierten die Gastwirtschaft.

Sie hieß bis zur Übernahme durch die Sektion Friedrichsafen nach dem Erbauer Kathrein-Hütte.

Am 23.Juni 1920 - die Sektion zählte zu diesem Zeitpunkt 108 Mitglieder-, regte das Mitglied Architekt Niederberger (Judendstilhaus von Dr. Sauter in der Schmidstrasse) an, eine eigene Hütte zu bauen oder eine Hütte zu kaufen.

Schon im Jahr 1921 begann Dr. Dürr intensiv mit der Suche nach einem Grundstück bzw. einer geeigneten Hütte, unterstützt von Dr. Blodig aus Bregenz. Man wollte in Vorarlberg einen Hüttenstandort finden. Im Gespräch waren Grundstücke am Kaltenberg an der Winterstaude, an der Gamsfreiheit und die Tilisunahütte an der Sulzfluh. Aber alle Bemühungen führten nicht zum Ziel. Gern hätte man eine Hütte in Vorarlberg gebaut.

Am 11. Juli 1922 erhielt die Sektion Friedrichshafen vom DAV-Hauptverein die Mitteilung, dass die Sektion Konstanz beabsichtigt, die Kathrein-Hütte oberhalb von Mathon auf der Muttenalpe zu veräußern.

Der Vorstand fasste den Beschluss, diese desolate Hütte zu kaufen.
Bereits am 01. August 1922 wurde der Kaufvertrag geschrieben, und am 25. August 1922 erfolgte der Eintrag ins Grundbuch.

Der Preis war 35500 Mark. Es war Inflationszeit. haefler huette gaststube
Mitglied Sonntag (Stoff Sonntag in der Karlstraße) bemerkte man solle sofort einschlagen, denn 7 Wolldecken würden den gleichen Preis kosten.
Dass eine eigene Hütte den Mitgliedern der Sektion ein riesengroßes Anliegen war, kann man daraus ersehen, dass bereits am 03. August 1924 die Einweihung der vollständig erneuerten Hütte stattfand.
Aus einem baufälligen Geißenstall war eine Unterkunft für Wanderer, Bergsteiger und Skifahrer geworden dank dem Idealismus von etwas mehr als 100 Mitgliedern.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde unsere Hütte wie alle reichsdeutschen Hütten in Österreich von den Österreichern verwaltet. Obwohl die Hüttenrückgabe noch nicht erfolgt war, wurde in dieser Zeit ein wichtiges Problem gelöst. Am 01.März 1956 wurde von der Alpgenossenschaft Muttenalpe das Grundstück für eine neue Quellfassung und für den Standort des Turbinenhauses gekauft.
Die Schüttung der alten Quelle war für einen Hüttenbetrieb nicht ausreichend. Sie speist auch heute noch wie eh und je den Brunnentrog vor der Hütte.
Dank der guten Beziehungen von Ossi Müller zu vielen Anteilseignern der Alpgenossenschaft konnten die notwendigen Grundstücke gekauft werden.
Wie aus dem Vertrag zu ersehen ist, waren es 26 Eigentümer der Alpgenossenschaft Muttenalpe, die damit einverstanden sein mussten. Durch Erbfolge sind es bis zum heutigen Tag wesentlich mehr geworden.

Wesentliche Baumassnahmen wurden 1964 und 1987/88 durchgeführt und jedes Jahr werden Verbesserungen vorgenommen.
1999 stand die Erneuerung der Stromversorgung auf dem Programm, nachdem der Luftdruck der Valzurer Lawine das Turbinenhaus weggerissen hatte.

Viele Freunde unserer Hütte haben den westlichen Rundwanderweg in den letzten Jahren begangen oder sind auf die Hohen Köpfe gestiegen. Wenigen ist jedoch bekannt, dass sie geschichtsträchtigen Boden betreten haben. Dem aufmerksamen Kartenleser fallen allerdings Namen auf, die er nicht in dieser Gegend vermutet.
Er steigt zum Schafbicheljoch, das richtig Schlafbicheljoch heißen müsste, besteigt den Vertinespleiskopf, vielleicht auch noch den Vertineskopf und den Vertinesberg, macht sich Gedanken über den Namen Vertines und ergötzt sich am Schluss seiner Wanderung im verlorenen Tal.
1809 war der Volkskrieg in Tirol unter Führung von Andreas Hofer und Josef Speckebach  noch nicht zu Ende. Auch das Paznauntal und der Bereich unserer Hütte, die in diesen Jahren eine voll bewirtschaftete Alp war, wurde von den Ereignissen nicht verschont.

Eine Gruppe von Bayern und Franzosen hatte sich unter der Führung von General Vertines im verlorenen Tal festgesetzt. Die Aufgebote der 4 Gemeinden des Paznauntales hielt vom 11. April 1809 bis zum Ende des Aufstandes das Zeinisjoch wie schon erwähnt besetzt und eine kleine Gruppe übernachtete auf dem Joch nördlich vom Vertinespleiskopf. Am frühen Morgen des 1.Juni 1809 sollten die Bayern und Franzosen vertrieben werden. Die Paznauner auf dem Joch verschliefen jedoch den Einsatz und der Name Schlafbicheljoch war zum Spott der Paznauner entstanden, und sie sind froh, dass ein Schafbicheljoch daraus wurde.
Obwohl keine kriegerische Handlung stattfand, erhielt der Talboden den Namen verlorenes Tal und in den umliegenden Bergen wurde der Name des Anführers der Bayern und Franzosen, Monsieur Vertines gleich 3 mal verewigt.

Seit die Sektion Friedrichshafen die Hütte im Verwall besitzt, ist auch ein guter Kontakt mit den Talbewohnern entstanden. Besonders wurden immer wieder Hilfsaktionen durchgeführt, z.B. 1948-1955 Kleiderspenden. Die Spende einer gebrauchten TS8 Spritze über die ZF und zuletzt die Galtürhilfe für die Lawinenopfer mit 25.000,- DM. 

Bilder: Alfred Kramer