Kategorie: Wintertourenplanung

Biotoppflege im Naturschutzgebiet Eriskircher Ried

Seit sechs Jahren unterstützt die Sektion Friedrichshafen den NABU Friedrichshafen-Tettnang bei der Entbuschung im Naturschutzgebiet Eriskircher Ried. Fast jedes Jahr wurden seit dem Jahr 2004 zwei Arbeitseinsätze durchgeführt. Pro Einsatz halfen zwischen 15-25 Personen. Insgesamt wurden bislang 660 Arbeitsstunden ehrenamtlich getätigt!
eriskircherried1Das Naturschutzgebiet Eriskircher Ried ist mit einer Gesamtfläche von 552 ha das größte und wertvollste Naturschutzgebiet am Nordufer des Bodensees. Seit dem Abschmelzen des Rheingletschers der letzten Eiszeit, die vor ca. 10.000 Jahren endete, lagerten sich an der Mündung der Schussen große Mengen Sand und Kies ab. Es entstand ein Flussdelta - das heutige Eriskircher Ried mit einer vorgelagerten Flachwasserzone. Das Naturschutzgebiet ist geprägt durch eine Vielzahl unterschiedlicher Biotoptypen, wie z.B. Streuwiesen, Wälder, Altwasser, die Schussen, Einzelbäume und Gebüsche. Dieses Nutzungsmosaik bedeutet eine hohe biologische Vielfalt, die mit einer hohen Artenzahl von Flora und Fauna und einer hohen Wertigkeit des Schutzgebietes gleichzusetzen ist.
Bekannt ist das Naturschutzgebiet für die Irisblüte im Mai/ Juni, wenn die Wiesenflächen von der Sibirischen Schwertlilie in ein blaues Blütenmeer verwandelt werden. Diese Wiesen, die s.g. Streuwiesen (das Wort „Streu" kommt von „einstreuen in die Ställe"), sind durch eine extensive Nutzung durch die Landwirtschaft entstanden. In der heutigen intensiven Landwirtschaft ist diese traditionelle Wiesennutzung nicht mehr rentabel. Der Ertrag ist zu gering, die Qualität des Aufwuchses entspricht nicht den Anforderungen der intensiven Viehzucht und Einstreu für die Ställe wird sehr wenig benötigt. Der Aufwuchs kann nur noch an robuste Rinderrassen oder an Pferde verfüttert werden.
Um den Artenreichtum der Wiesen und auch die Irisblüte zu erhalten, sind Landschaftspflegemaßnahmen gemäß einem Pflege- und Entwicklungsplan erforderlich. Denn wenn die Wiesenmahd aufgegeben wird verbuschen die Flächen und langfristig entsteht wieder Wald. Weidenarten sind sehr konkurrenzfähige Pioniergehölze und schlagen stark aus. Durch das „große Hochwasser 1999" wurden stellenweise bis zu 50cm Sedimente in den Flächen des Schutzgebietes südlich des Riedweges abgelagert. Die vor dem Hochwasser dort beheimatete Streuwiesenvegetation und / oder Schilfflächen wurden durch rasch aufkommende Pioniere, verschiedene Weidenarten, verdrängt.eriskircherried2
Um der Verbuschung entgegen zu wirken sind neben der Wiesenmahd sogenannte Entkusselungsmaßnahmen erforderlich. Im Zuge der Entkusselung werden Gehölze aus den Flächen entfernt. Diese werden zunächst abgesägt und das Schnittgut wird an verschiedenen Stellen im Ried zur Verrottung aufgeschichtet. Die Gehölzlagerstätten bieten Nistmöglichkeiten für Vögel und Lebensraum für weitere Lebewesen wie Pilze oder Käfer, die die Zersetzung des Materials bewirken. Anschließend werden die Wurzelstöcke mit einem Bagger gerodet.
An dieser Stelle sei allen Helfern für ihre tatkräftige Unterstützung herzlich gedankt.

Claudia Huesmann

Fotos: Barbara Borgfeld

 

Zum NABU Friedrichshafen-Tettnang