Ein Besuch in Imperia – bei Freunden

Auf nach Imperia! Vor 10 Jahren wurde die Städtepartnerschaft zwischen Imperia und Friedrichshafen gegründet. Dieses Jubiläum war Anlass für einen Besuch einiger italienischer Mitglieder des Vereins Amici di Friedrichshafen in der Zeppelinstadt. Unsere Sektion war mit an der Betreuung der netten Gäste beteiligt und verbrachte einige Tage mit ihnen auf unserer Friedrichshafener Hütte. Den Bericht dazu findet ihr hier [Link]. Damals hatten wir uns Gegenbesuch schon geplant und Anfang Oktober war es dann so weit. Auf nach Imperia.

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Wie auch eher bei Bergsportlern bekannte Finale Ligure, bietet die Umgebung um Imperia viele Möglichkeiten zum Klettern und Mountainbiken. So fanden sich nur Aspiranten dieser beiden Sportarten unter den Teilnehmern. Wir haben uns auch sagen lassen, dass man um Imperia schön wandern kann. Vielleicht haben wir nächstes Mal auch ein paar Wanderer dabei. Schon Mittwochnacht hat sich ein Teil des DAV Teams in einer Kneipe am Hafen in Imperia getroffen. Gehoben wurde das erste Glas auf vier schöne Tage und eine Gemeinschaft, die sehr herzlich zusammenwachsen sollte. Schnell wurde die Stimmung im Team sehr lustig, familiär und harmonisch.

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Donnerstag, 3.10.

Die erste Radtour in Sonnenschein führte von Imperia an östlich der Küste entlang nach Diana Marina, und bald bergauf.  Und schon hatten wir die erste PP, nein nicht Pinkel-, sondern Plattfußpause. Immerhin, wir hatten eine Reparaturstelle mit toller Aussicht über das glitzernde Meer. Weiter ging es am Höhenzug entlang. Die Strecke verlief über sehr abwechslungsreiche, tolle Trails, über Steinstufen, durch nach Kräutern duftende Macchia und durch viele Dornen – aua….  Am Ende standen 62km und 1208 Höhenmeter auf dem Tacho. Auch die Radler, die erste am Donnerstagmorgen losfuhren, konnten noch eine kleine aber feine Nachmittagsrunde um Imperia drehen.

Auch die Kletterer unter uns gingen die Tour etwas entspannter an und starteten erst am Donnerstag. Sie machten noch vor dem Hotel einen Zwischenhalt an der Placca dell’artista und probierten den Fels aus. Das Urteil fiel positiv auf. Besonders der kürzere Zustieg als an vielen Felsen Finales wurde gelobt.

Endlich alle zusammen, wurden wir abends abgeholt von den geselligen Mitgliedern des Partner Vereins Amici di Friedrichshafen Imperia. So herzlich die Verabschiedung auf der Friedrichshafener Hütte war, genauso wurden wir hier wieder empfangen. Zuerst wurden wir etwas durch die Altstadt dann zum Aperitif geführt. Dieser stellte sich dann »Apericena« heraus. Das heisst wir hatten den ganzen Abend ligurische Spezialitäten wie gefüllte Zucchiniblüten und Zucchinitorte, Brot mit Olivenöl, und Meeresfrüchtesalat vor uns zu stehen. Am Ende konnten wir noch einen Schluck vom Limoncello der Spezialität des Hauses probieren, bevor es zu einer Stadtführung und zurück in das Hotel ging.

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Freitag, 4.10.

Vielen Dank an Mauro, unseren italienischen Guide von den Amici di Friedrichshafen. Eine Tour zum Monte Faudo im Westen von Imperia hatte er für uns ausgesucht. Mauro konnte kein Deutsch und kein Englisch. Egal, mit Andi‘s Italienschkenntnissen, Spanischfranzösichgemisch und vielen Gesten war Verständigung mit Mauro für uns alle möglich. Und den Spaß auf den flowigen Trails auf dem Höhenzug, konnte er am breiten Grinsen in unseren Gesichtern sehen. Nach den 47km und 1200 Höhenmetern gab es Bierra Foccacia in San Lorenzo in einer coolen Kneipe direkt am Strand.

Die Kletterer liessen sich währenddessen von zwei italienischen Kletterern einen Geheimtipp zeigen. Aber nicht ohne vorher auf einen Kaffee zu halten – Italien halt. Der Fels war fest, gut strukturiert, und ebenso gut abgesichert. Mal was ganz anderes als im Donautal. So gingen eir auch schnell die 6er an, in der französischen Skala. Entsprechend hing auch wie immer die Frage im Raum »Was war nochmal eine 6? b? +?«. In der Mittagspause stellten wir dann fest wie italienisch unsere Kletterei doch ist. Als wir ebenso wie unserer Begleiter einen frischen Kaffee am Fels zubereiteten. Den Abend liessen Kletterer und Biker dann zusammen bei Pizza und Rotwein in der Nähe vom Hotel ausklingen.

Samstag, 5.10.

Wir Kletterer standen am Samstagmorgen wieder am gleichen Platz wie am Tag zuvor, nur kam diesmal kein Auto um uns abzuholen. Eine viertel Stunde nach der Zeit fanden wir dies auch schon für italienische Verhältnisse ungewöhnlich. Aber dann kam der Anruf. Man hatte spontan entschieden den Treffplatz zu ändern. Nur hat uns niemand darüber informiert. Wir wurden dann aber doch schnell abgeholt und auf ging es, diesmal mit einer größeren Gruppe zum Fels. Also fast. Denn am Parkplatz gab es Kaffee und natürlich ist der wichtig. Während wir uns wieder in den 6ern austobten liessen es unsere italienischen Freunde etwas ruhiger angehen. Aber wenn wir dann oben waren fragten sie auch ob wir ihnen das eine oder andere Toprope einhängen.

Herzlichen Dank an unsere Guides Mauro und Beppo, die uns einen unvergesslichen Tag organisiert haben. Mit Autos ging es in den Parce nacionale del Marguareis im Piemont direkt an der Grenze zu Ligurien. Tolle Erinnerungen sind ein Flüsschen tief unten im Tal, über uns felsige Bergspitzen, die auch Radler zum Klettern locken, ein verärgertes Wildpferd mitten im Wald, eine äußerst abenteuerliche Hängebrücke, grandiose Ausblicke über eine wunderschöne und vielfältige Landschaft, erfrischende Ruhe unterwegs, ein uriges Refugio... UND: sagenhafte Trails am Berghang entlang, durch Wald mit Pilzen und über Lichtungen mit Herbstzeitlosen, über raschelnde Blätter, buchstäblich über Stock und Stein, auf und ab. Mauro und Beppo durften den Begriff „geiler Trail“ lernen. Und wir hatten auf unseren 25km neben den 800 Höhenmetern, wieder eine gemütliche KaffeeBierraSpritz und Chocolata calda-Pause.
Und noch einmal haben sich die Amici di Friedrichshafen sehr um uns bemüht. Abends wurden wir abgeholt, auf ein Weingut begleitet und wieder kulinarisch sehr verwöhnt-lecker! Dabei fragte jemand wo man denn das beste Olivenöl kaufen könnte. Eine Reihe an Telefonaten später war klar, die Kletterei wird morgen später starten. Wir hatten den Besuch einer Olivenöl-Fabrik eingeplant bekommen. Der Rest des Abend gestaltete sich noch mit lustigen deutsch-italienischen Gesprächen.

Sonntag, 6.10.

Sonntag war leider schon unser letzter Tag. Die erste Hälfte der letzten Tour uns führte erst durch Stadtgebiet und dann an Olivenbäumen entlang auf steilen Sträßchen zu einem Gipfel nördlich von Imperia. Und ein extrem steiler Trail, der die Könner begeistert führte vom Gipfel runter. So hatten wir noch mal 18km und 550 Höhenmeter drauf.
Mein Fazit als einzige Frau unter 8 Radlern: Mädels, macht mit! Natürlich hatte ich auf den Trails die rote Laterne fest in meiner Hand, aber Geduld und Unterstützung und vor allem viel Spaß waren zuverlässige Bestandteile des sportlichen Teams.

Wir Kletterer waren dann erstmal Öl kaufen. Aber nicht ohne noch einen Kaffee zu trinken. So langsam gefiel uns dieser Stil des Lebens aber auch sehr. Nachdem wir direkt an den Maschinen eine ausführliche Erklärung bekamen wie Olivenöl gewonnen wird – es wird nicht gepresst! – ging es an die Verkostung und den Kauf. Es ist immer wieder faszinierend wie lecker und verschieden Olivenöle schmecken können.

Danach beschlossen wir direkt in Richtung Bodensee zu fahren und lieber im Tessin noch einen Zwischenstopp zum Klettern einzulegen. Am Parkplatz angekommen erkannten wir die Ecke gleich wieder, als Felsen den wir schon mal auf einem Heimweg besucht haben. Also schnell ran an den Fels und – Esskastanien gefunden. Also sammelten wir erstmal fleissig den Nachtisch zum Abendessen und dann ging es an die Kletterei. Dabei stellten wir wieder einmal die schönen Unterschiede in der Kletterei fest. Eine Tessiner Platte ist halt was ganz anderes als die Struktur in Finale. Aber Spaß macht es trotzdem. So reihten wir uns nach ein paar Routen in den Stau über den Bernardino ein bevor wir müde und mit viele guten Eindrücken am Bodensee ankamen.

Vielen Danke für die Gastfreundschaft an die amici die Friedrichshafen. Es hat uns ebenso viel Spaß gemacht, wie ihnen bei uns. Wir hoffen diese Austausche regelmäßig machen zu können und versprechen bis nächstes Jahr mehr Italienisch zu lernen.

Die Radler: Dieter, Oli, Peter. Jörg, Stefan, Alex, Andi, Peter und eine Radlerin Uli
Die Kletterer: Hannah und Sebastian