Italien zu Gast auf der Häfler Hütte

 

Eine Abordnung von 25 italienischen Freunden aus unserer Partnerstadt Imperia hatte einen viertägigen Aufenthalt auf unserer Häfler Hütte im Verwall geplant. Da ließen wir es uns natürlich nicht nehmen, den Amici als ortskundige Fremdenführer mit Rat und Tat zu Seite zu stehen.
Wir hatten uns allerdings vorher keine großen Gedanken über unsere kulturellen Unterschiede gemacht. Schließlich leben wir ja in einer globalisierten Welt, oder? So fanden wir uns also frohen Mutes morgens inmitten einer Schar Italiener wieder, die fröhlich durcheinander plapperten und diskutierten. Wir verließen uns an der Stelle auf unseren Übersetzer Michael, der allerdings auch mehr die Stille der Berge als den Lärmpegel der großen Gruppe im Sinn hatte. Nachdem jeder der Amici seinen Teil zur Diskussion beigetragen hatte, wurden wir gestenreich in einen Kleinbus gesetzt. Glücklicherweise war Michaels Tochter Mathilda gesprächiger und übersetzte für uns die notwendigsten Dinge, sodass wir unseren Fahrer nach Galtür lotsen konnten. Die Fahrt fand jedoch nach einer halben Stunde in der Autobahnraststätte Bregenz ein vorläufiges Ende. Jemand brauchte eine Vignette, jemand musste tanken und sowieso brauchten alle erstmal Kaffee – ein Sack Flöhe ist einfacher zu hüten – und dazwischen zwei Deutsche, die die Welt um sich herum nicht mehr verstanden. Mathildas trockener Kommentar zu unseren entgeisterten Gesichtern: „Seid froh, dass wir keine Süditaliener sind, die sind noch lauter und noch chaotischer“. Dies wurde dann auch unser Mantra für die nächsten Tage. So fügten wir uns in unser Schicksal und gaben uns alle Mühe, die gesamte Gruppe zunächst in den Supermarkt in Ischgl und anschließend zum Hüttenparkplatz zu lotsen. Während die einen noch schnell ihren Rucksack packen mussten, liefen die ersten schon los – sie seien schließlich langsam und wollten nicht die letzten auf der Hütte sein. Wir ordneten uns unauffällig in die Mitte ein und versuchten die uns anvertrauten Gäste leidlich im Auge zu behalten. Mit schwerem Gepäck beschränkte sich die etwas atemlose Konversation auf „Tutto bene?“ – „Tutto bene!“…das bekamen sogar wir sprachunkundigen Deutschen hin. Auf der Hütte ergab sich dann die nächste Herausforderung – camera numero nuo…otto posti. Die Zimmerverteilung bot neuen Anlass für lautstarke Diskussionen, bei denen wir mal wieder nichts verstanden. Schließlich hatte aber jeder doch einen Schlafplatz und uns beschlich der Verdacht, dass die weitschweifigen Diskussionen einfach erst beendet werden können, wenn jeder seinen Teil dazu beigetragen hat. Diese Erkenntnis wurde uns später von den Italienern bestätigt und trug einen signifikanten Teil zur Völkerverständigung in den vier Tagen bei. Wie gewohnt, wurden wir auf unserer Hütte herzlich empfangen und umsorgt. Beim Abendessen herrschte allgemeine Zufriedenheit und die anschließende Tourenplanung in zwei Schwierigkeitsgraden stieß auf allgemeine Zustimmung.

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Bevor wir uns am folgenden Tag beim Wandern entspannen konnten, mussten zunächst Fakten geschaffen werden: was gibt’s zum Abendessen, wer isst vegetarisch, wer hat Laktoseintoleranz…? Gestenreich schafften wir es, den Italieniern Spinatknödel zu erklären und konnten dann Richtung Georg-Prasser-Weg bzw. Heilbronner Hütte aufbrechen. Trotz ambivalenter Vorhersage meinte es das Wetter gut mit uns und beide Gruppen hatten einen super Tag in den Bergen. Nach einem eiskalten Bad im Hüttensee musste eine Stärkung her. Natürlich empfahlen wir Wolframs ausgezeichneten Kaiserschmarrn und freuten uns über diverse Schwierigkeiten in der Aussprache der österreichischen Köstlichkeit – so wurde aus der lecken Mehlspeise gerne mal ein „Kaisercharme“.

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Auch der nächste Tag wartete mit gutem Wetter auf und wieder teilten wir unsere Gäste in Leistungsgruppen auf, nachdem die gesamte Gruppe die Höhen Köpfe erklommen hatte. Ein weiteres Mal wurde in anderer Besetzung der Georg-Prasser-Weg in Angriff genommen, eine gemütlichere Gruppe suchte derweil nach schönen Fotomotiven und machte noch einen Abstecher zu den Lawinenverbauungen. Ein weiteres Bad im Hüttensee und einen „Kaisercharme“ wurde uns von der Vize-Präsidentin des CAI Imperia der offizielle Vereins-Wimpel überreicht, mit dem wir direkt die Hüttenwand im Gastraum schmückten. Mit Vino und Birra arbeiteten wir den restlichen Abend über weiterhin hart an der weiteren Völkerverständigung. So stand der Abfahrtstag dann auch im Zeichen des Abschiedsschmerzes. Der einzige Trost: im Oktober gehen wir unsere neu gewonnenen Freunde in Imperia besuchen und freuen uns auf Vino, Pizza, Pasta, Olio D’Oliva, Sole und schöne Kletterrouten!

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Bilder & Bericht: Hannah Deierling