Komfortzone extended – Hochtourenkurs 2

 

Erzählen, was man denn schon so alles an Hochtouren bisher gemacht hat. Damit fängt es für jeden Teilnehmer an, der beim Hochtourenkurs 2 dabei sein will, bevor er oder sie überhaupt akzeptiert wird. Immerhin geht es hier darum,

dass keine Basics wie Spaltenbergung und mit Steigeisen-Gehen gelernt werden sollen, sondern darauf wird aufgebaut. So haben sich recht schnell genug Teilnehmer gefunden, dass am Ende eine bunte

Truppe aus fünf Teilnehmern, zwei Trainern und einer Traineranwärterin zusammenkam.

 

 

Das Ziel war die wunderbare Plauener Hütte im Zillergrund in der wir dem schlechten Wetter zum Trotz, welches wir für unser Wochenende erwischt hatten, umso herzlicher empfangen wurden. Dort hätten wir auch fast jemand verloren als es hieß, der kann so gut die Teller beim Abendessen weiterreichen, der sollte doch gleich auf der Hütte bleiben zum Mitarbeiten.

Aber wir waren ja weder zum Servieren noch zum Sonnenschein genießen dort, sondern zum Lernen. Und dafür war das Wetter auch perfekt. Frei nach dem Motto „bei gutem Wetter kann jeder“ und „das Leben beginnt außerhalb der Komfortzone“. Also sind wir kurz nach dem Hüttenzustieg noch raus in den immer wiederkehrenden Regen ins nächste Blockgelände neben der Hütte um dort den Standplatzbau zu üben.

 

Tag zwei ging es dann recht ähnlich weiter, dass wir den Umständen trotzend und doch irgendwie gutgelaunt nach draußen sind um die Punkte Orientierung im Gelände und auch unterschiedliche Gruppendynamiken anzugehen. Es war sogar vorteilhaft, dass der Regen etwas oberhalb der Hütte in Schneefall übergegangen ist und wir nicht so schnell nass geworden sind.

 

 

Heute ging es auch zum ersten Mal als Seilschaft auf den Gletscher. Wichtig waren hierbei zu üben, dass man die richtige Gehgeschwindigkeit findet und vor allen Dingen auch die richtige Spur. Wie wir alle sicher schon zahlreich gelernt haben muss die Spur, die wir vorfinden nicht immer die Beste sein. Trauen wir uns also unsere eigenen Wege zu gehen. Hilfreich dabei war auch, dass unsere Trainer nie vorneweg gegangen sind, stets aber mit guten Lektionen und Tipps präsent waren. Später standen noch Standplatzbau im Eis und am Abend intensive Tourenplanung auf dem Programm. Immerhin war das ja das Hauptziel des Kurses: leichte Hochtouren eigenständig planen und durchführen können. Und am nächsten Tag sollte genau das passieren. Objekt der Begierde war schnell der Reichenspitz und bald dann die verfügbaren Informationen aus Karte, Literatur und Hüttenwirt zusammengetragen und der Plan ausgearbeitet mit den einzelnen Checkpunkten, den dortigen evtl. notwendigen Aktionen und Entscheidungen sowie Zeiten und Pausen.

 

 

 

Am nächsten Morgen ging es los und zum Glück hat es mal nicht geregnet oder geschneit. Sollte das ein gutes Omen sein? Erst wieder vorbei an der Gabelung zur Richterspitze und auf den Kuchelmoos-Kees, was wir noch vom Vortag kannten. Ungefähr auf 2900 aber wurde es neblig mit einer Sicht von unter 50 Metern und nach den Warnungen vom Hüttenwirt bezüglich Steinschlag und Schneerutschgefahr wurde es ein paar Teilnehmern mulmig, dass diese deutlich außerhalb ihrer Komfort- und auch schon Lernzone waren. Das hatte uns wohl zur wichtigsten Lektion des Kurses gebracht. Technik und Können, schön und gut. Aber der Mensch steht immer noch im Zentrum und in einer Seilschaft und Gruppe muss man zusammen funktionieren können. Sprich man sollte es akzeptieren, wenn man auch mal umkehren muss ohne auf dem Gipfel gewesen zu sein wenn nicht mehr alle in der Lage wären weiterzugehen. Alles andere könnte die Gruppe schnell zerreißen und somit eine unkalkulierbare Gefahr heraufbeschwören. An der Stelle soll nochmal erwähnt werden, wie gut die Gruppe hier zusammengearbeitet hat und alle wirklich an einem Strang gezogen haben, als wir entschieden die Tour abzubrechen um sicher zur Hütte zurückzukehren.

 

 

Insgesamt kann man zum Ende hin festhalten, dass viel gelernt wurde im praktischen Teil, abgerundet durch die Theorieteile am Nachmittag und Abend vor und teilweise auch noch nach dem leckeren Abendessen. Jeder hat etwas mitgenommen und teilweise auch noch Neues über sich selbst gelernt. Unsere Trainer haben das toll gemacht. Daher ein großes Dankeschön an Euch! Auch an die tolle Gruppe!

Bericht: Peter E.        Bilder: Frauke T.