Im Winter unterwegs - im Lebensraum des Alpenschneehuhns

 

foto 1_alpenschneehuhn im winterkleid_quelle dav mnchenSchneehühner gehören wie auch das Auerhuhn und das Birkhuhn zur Familie der Rauhfußhühner. Raufußhühner sind an die klimatisch harten Lebensbedingungen der Alpen bestens angepasst, reagieren jedoch auf Störungen überaus sensibel.

foto2_alpenschneehuhn im sommerkleid_quelle dav mnchen

 

 

 

 

Alpenschneehuhn im Sommerkkeid
(Quelle: DAV Bundesverband)

 

 

 

Verbreitung und Lebensraum

Das Alpenschneehuhn ist ein ursprünglicher Tundrabewohner und war in den Eiszeiten in Europa am weitesten verbreitet. Heute lebt es in der arktischen und subarktischen Zone bis in die Schneewüsten Nordkanadas und Nordgrönlands, aber auch auf Island und Spitzbergen. In Mitteleuropa lebt es ganzjährig in Gebirgsregionen oberhalb der Waldgrenze (in den Alpen, Pyrenäen und in Schottland). Der gesamte europäische Bestand wird auf 480.000 Brutpaare geschätzt. Der Bestand in den Alpen wird mit 17.000 - 26.000 Brutpaaren angegeben. Die bayerischen Brutvorkommen sind mit 300-600 Paaren die einzigen in Deutschland. Das Alpenschneehuhn existiert noch in 3600 m Höhe. Es lebt in strukturreichen alpinen Landschaften in einem nahrungs-, deckungs- und aussichtswartenreichen Mosaik aus Schneetälchen, Graten, Kuppen und Hängen. Im Winter werden tiefere Lagen, schneefreie Grate oder Südhänge bevorzugt.

Verhalten

Alpenschneehühner sind dämmerungs- und tagaktiv, meistens zu Fuß im Gelände unterwegs und vermeiden das Fliegen. Gleitflüge werden meist nur kurz und flach über dem Gelände durchgeführt.Sie bewegen sich stets sichernd und geduckt, optimal getarnt, in der niedrigen alpinen Vegetation.

Auf der Suche nach Nahrung und zum Schutz vor Kälte graben die Tiere Schneehöhlen. Selbst nach der Schneeschmelze suchen sie die letzten Schneefelder auf, um dort in kalten Nächten Schneehöhlen zum Übernachten anzulegen und Energie zu sparen. In den Schneehöhlen können bei einer Außentemperatur von - 20 °C Temperaturen um 0 °C herrschen.

Die Tierefoto 4_verhalten_quelle_dav_mnchen ruhen oft auch über Tag in der Schneehöhle, denn sie haben ihre Aktivität an ihren Fraßfeind, den Steinadler angepasst: Dieser fliegt nur bei Thermik, also im Hochwinter von ca. 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr. In diesen Zeiten suchen die Tiere sichere Verstecke auf. Entsprechend fressen die Tiere in den frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden.

 

 

Abb. Quelle: DAV Bundesverband

 

Aussehalb der Brutzeit leben die Tiere in Wintervölkern gesellig in gemischt-geschlechtlichen Trupps von ca. 30 - 50, selten bis zu 100 Tieren. Zur Balzzeit (ab Mitte März bis Ende Mai), nach Auflösung der Wintergesellschaften, werden Reviere durch die Hähne abgegrenzt und besetzt. Einzelne Hennen suchen dann der Reihe nach einzelne Hahnenreviere auf und lassen sich schließlich vom sie am beeindruckendsten umwerbenden Hahn begatten („treten“). Die Brutzeit findet von Mai - August / September statt.

Nahrung

Alpenschneehühner ernähren sich überwiegend vegetarisch mit einer saisonal unterschiedlichen Futterzusammensetzung. Vor allem eiweiß- und zuckerreiche Pflanzenteile bzw. Insekten werden gefressen. Sie nehmen Triebe, junge Blätter, Knospen, Beeren, Kätzchen und als Küken vor allem Insekten und Spinnen zu sich. Nahrungsgrundlage im Winter bilden Knospen von Zwergsträuchern wie Heidel-, Preisel- und Krähenbeere, Bärentraube, Alpenrose, Gemsheide sowie von Weiden und Grünerlen.

Natürliche Feinde

Natürliche Fressfeinde des Alpenschneehuhns sind Steinadler, Uhu und Fuchs. Erhebliche Verluste kann es zudem geben, wenn sich Schneehühner nach einem plötzlichen Wetterumschwung mit einhergehender Verharschung der Schneeoberfläche aus ihren Schneehöhlen über längere Zeit nicht befreien können.

Gefährdung und Beeinträchtigung

Das Alpenschneehuhn ist in Bayern stark gefährdet. Durch ganzjährigen Massentourismus und die damit verbundenen Lebensraumzerschneidungen, sowie durch zunehmende winterliche Nutzung alpiner Lebensräume von Varianten- und Tourenskifahrern und durch Schneeschuhwanderer werden Schneehühner beeinträchtigt.

Der Wintertourismus im Spätwinter und zur Balzzeit ab Mitte März bis Ende Mai stört die Balz und wirkt sich damit auch auf den Bruterfolg negativ aus.

Skitourengänger und Skiabfahrer, die sich abseits der Pisten im Winterraum bewegen, können schon durch einmalige Störung Fluchtreaktionen der Tiere und einem damit verbundenen lebensbedrohlichen Energieverlust auslösen. Raufußhühner können keine Fettreserven anlegen, da die großen Flugvögel sonst fluguntauglich würden. Deshalb müssen sie regelmäßig fressen. Bei der Flucht verbrauchen sie sehr viel Energie, die im Winter nur begrenzt zu ersetzen ist. Deshalb führen häufige Störungen zur Schwächung der Tiere bis hin zum Tod durch Verhungern.

Um die Gefährdung der Alpenschneehühner durch uns aktive Wintersportler zu minimieren, sollten bestimmte Verhaltensregeln beachtet werden (siehe folgender Artikel).

 

Quellen:

Bundesamt für Naturschutz: http://www.bfn.de/natursport/info, abgerufen am 12.09.2012

Bayerisches Landesamt für Umwelt: www.lfu.bayern.de/natur/sap/arteninformationen/steckbrief/zeige, abgerufen am 13.09.2012

DAV Bundesverband:

Daten CD-Umweltbildung: Fernlehrgangskarte S2: Raufußhühner

http://www.alpenverein.de/natur-umwelt/bergsport-und-umwelt, abgerufen am 12.09.2012

Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel und Wolfgang Fiedler (Hrsg): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes - Nichtsperlingsvögel, Aula-Verlag Wiebelsheim, Wiesbaden 2005

Schweizer Vogelwarte: www.vogelwarte.ch/alpenschneehuhn, abgerufen am 12.09.2012

www.jagd.bz/hochwild/schneehuhn, abgerufen am 12.09.2012

 

Claudia Huesmann