Biotoppflege im Eriskircher Ried

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Biotoppflege - warum ?

Das Naturschutzgebiet Eriskircher Ried ist mit einer Gesamtfläche von 552 ha das größte und wertvollste Naturschutzgebiet am Nordufer des Bodensees. Seit dem Abschmelzen des Rheingletschers der letzten Eiszeit, die vor ca. 10.000 Jahren endete, lagerten sich an der Mündung der Schussen große Mengen Sand und Kies ab. Es entstand ein Flussdelta - das heutige Eriskircher Ried mit einer vorgelagerten Flachwasserzone. Das Naturschutzgebiet ist geprägt durch eine Vielzahl unterschiedlicher Biotoptypen, wie z.B. Streuwiesen, Wälder, Altwasser, die Schussen, Einzelbäume und Gebüsche. Dieses Nutzungsmosaik bedeutet eine hohe biologische Vielfalt, die mit einer hohen Artenzahl von Flora und Fauna und einer hohen Wertigkeit des Schutzgebietes gleichzusetzen ist.

Bekannt ist das Naturschutzgebiet für die Irisblüte im Mai/ Juni, wenn die Wiesenflächen von der Sibirischen Schwertlilie in ein blaues Blütenmeer verwandelt werden. Diese Wiesen, die s.g. Streuwiesen (das Wort „Streu“ kommt von „einstreuen in die Ställe“), sind durch eine extensive Nutzung durch die Landwirtschaft entstanden. In der heutigen intensiven Landwirtschaft ist diese traditionelle Wiesennutzung nicht mehr rentabel. Der Ertrag ist zu gering, die Qualität des Aufwuchses entspricht nicht den Anforderungen der intensiven Viehzucht und Einstreu für die Ställe wird sehr wenig benötigt. Der Aufwuchs kann nur noch an robuste Rinderrassen oder an Pferde verfüttert werden.

Um den Artenreichtum der Wiesen und auch die Irisblüte zu erhalten, sind Landschaftspflegemaßnahmen gemäß einem Pflege- und Entwicklungsplan erforderlich. Denn wenn die Wiesenmahd aufgegeben wird verbuschen die Flächen und langfristig entsteht wieder Wald. Weidenarten sind sehr konkurrenzfähige Pioniergehölze und schlagen stark aus. Sie dringen in die Wiesenflächen ein und verdrängen die typische Wiesenvegetation. Um der Verbuschung entgegen zu wirken sind neben der Wiesenmahd sogenannte Entkusselungsmaßnahmen erforderlich. Im Zuge der Entkusselung werden Gehölze aus den Flächen entfernt. Diese werden zunächst abgesägt und das Schnittgut wird an verschiedenen Stellen im Ried zur Verrottung aufgeschichtet. Die Gehölzlagerstätten bieten Nistmöglichkeiten für Vögel und Lebensraum für weitere Lebewesen wie Pilze oder Käfer, die die Zersetzung des Materials bewirken. Anschließend werden die Wurzelstöcke mit einem Bagger gerodet.

Der DAV hat in seinem Grundsatzprogramm als Leitlinie formuliert, die „eigenen Umweltschutzaktivitäten zu intensivieren“ und sich damit für die aktive Teilnahme an Landschaftspflegemaßnahmen ausgesprochen. Die Sektionen der Alpenvereine werden darüber hinaus aufgerufen, auch an ihren Heimatorten Umweltschutzarbeit zu leisten und in Zusammenarbeit mit anderen Verbänden und initiativen zur Sensibilisierung der Bevölkerung beizutragen. Die Sektion Friedrichshafen unterstützt seit ein paar Jahren die Landschaftspflegemaßnahme des Entkusselns und führt gemeinsam mit dem NABU, Ortsgruppe Friedrichshafen, an zwei Pflegeeinsätzen im Jahr diese Arbeiten durch. Durch diese Maßnahme unterstützen DAV-Mitglieder aktiv den Erhalt der wertvollen Flora und Fauna des Naturschutzgebietes.

Weitere Informationen zum Naturschutzgebiet finden Sie unter http://www.naturschutz.landbw.de/servlet/is/68800/

 

Warum entbuschen wir seit vielen Jahren im Eriskircher Ried ?

Durch das 100jährliche Hochwasser 1999 wurden stellenweise bis zu 50 cm Sedimente in den Flächen des Schutzgebietes südlich des Riedweges abgelagert. Die vor dem Hochwasser dort beheimatete Streuwiesenvegetation und / oder Schilfflächen wurden durch rasch aufkommende Pioniere, verschiedene Weidenarten, verdrängt.

Streuwiesen und Schilf sind naturschutzfachlich von besonderer Bedeutung, denn sie bieten zahlreichen Pflanzen- und Tierarten Lebensraum, darunter viele seltene Arten, denen in Flächen außerhalb von Schutzgebieten keine Habitate mehr zur Verfügung stehen. Um die Biodiversität im Eriskircher Ried weiter zu entwickeln, ist es das Ziel, die ehemaligen Streuwiesen- und Schilfflächen, die durch die Folgen des Hochwassers entwertet und verdrängt wurden, wieder herzustellen. Dies ist nur möglich, wenn die Weiden in den Flächen entfernt werden. Zunächst werden die Bäume und Gebüsche abgesägt und das Schnittgut wird zu Haufen zusammengetragen. Diese bieten wiederum verschiedenen Vogelarten Nistmöglichkeiten. Am Ende jeden Winters werden die Wurzeln der abgesägten Weiden mit einem Bagger aus dem Boden entfernt, so dass kein Neuaustrieb stattfinden kann.

Die Flächen, die in den letzten Jahren von unerwünschtem Weidenaufwuchs befreit wurden, haben sich prächtig entwickelt. Feuchtigkeitsliebende Stauden und Gräser sowie Schilf haben die Flächen zurückerobert. Weiden sind nicht wieder aufgekommen. Die Fotos zeigen ein paar Flächen im Juni 2010. Der NABU ist sehr zufrieden mit der Entwicklung der Flächen und bedankt sich sehr herzlich für den Einsatz der DAV-Mitglieder.

Die folgenden Fotos zeigen entkusselte Flächen, die sich zu Wiesen- und / oder Schilfflächen entwickelt haben.

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Claudia Huesmann

 

Fotos der Arbeitseinsätze von Barbara Borgfeld:

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