Bericht über die Wanderung am Ostermontag auf dem Bibelweg in Kressbronn

Ostern ist die Zeit, in der die wiedererwachende Natur die Menschen motiviert, hinauszugehen, um dieses Phänomen für sich intensiv zu erleben. Das hat ja unser großer Dichter Goethe schon in seinem berühmten Gedicht “Osterspaziergang” beschrieben. Ein Gedicht, das sicher jeder Schüler auswendig lernen musste und sicher immer noch zitieren kann: “Vom Eise befreit...”

Es war eine gute und inspirierende Idee des Immenstaader Alpenvereins, dieses Datum zu einer Einladung für eine Nachmittagswanderung zu nutzen. Auch das Ziel dieses Wandervorschlags war gut auf das besondere Datum “Ostern” abgestimmt, denn es sollte auf den Bibelweg um Kressbronn gehen.

Der Bibelweg wurde vom ökumenischen Kressbronner Männertreff gestaltet und 2010 von der Gemeinde und den beiden Kirchen eingeweiht. Er soll dazu einladen, Impulse aus der Bibel, Psalmen und Worte Jesu, für das eigene Leben fruchtbar zu machen. Wobei diese Bibelzitate in Zusammenhang mit markanten Wegpunkten gesetzt wurden, sodass der Wanderer durch das Geschaute den Sinn des Zitats intensiver begreift. Unabhängig davon ist diese kleine Rundwanderung eine Möglichkeit, einige landschaftliche Besonderheiten von Kressbronn und seinem schönen Hinterland kennenzulernen.

Daher haben wir beschlossen, dieser Einladung als Gäste des Alpenvereins ebenfalls zu folgen und unseren Osterspaziergang mit dem Alpenverein zu machen.

Um 13.00 Uhr trafen sich 16 Wanderbegeisterte am Immenstaader Rathausplatz. Franz Jankowiak, unser Tourenbegleiter verteilte die Teilnehmer auf die vorhandenen Autos und dann ging‘s nach Kressbronn zum Bahnhofplatz, wo ausreichend Parkplätze zur Verfügung standen, und der bereits eine Station des Bibelwegs mit dem Titel “Unterwegs” darstellte. In den Bibelweg kann man an jedem Punkt einsteigen, man muss nicht bei der Station 1 beginnen, um den ganzen Sinn zu verstehen. Von dort ging es unter der Bahn hindurch in den Schlössle Park zu der dort vorhandenen Quelle des Kressbachs, der dem Ort den Namen gegeben hat. Dort gibt es auch ein Kneipp-Becken. Letztere wurde aber von niemandem genutzt: so warm war es trotz verhaltenem Sonnenschein doch nicht, und das Becken war noch nicht sehr einladend, es war noch vom Winter verschlammt und glitschig. Die Station hieß “Lebendiges Wasser”, zitiert wurde hier aus dem Johannesevangelium: “Ich bin das lebende Wasser, wer zu mir kommt, der wird nie mehr dursten”.

Die nächste Station “Glauben” lag im wunderschönen Seepark mit Blick auf den Landesteg, den See und die verschneiten Berge, ein Anblick, der das Herz öffnen kann.

Der nächste Halt “Schutz und Ruhe” war das Alte Gemeindebad, eine kleine Parkanlage mit freiem Seezugang und Liegewiese, auf der man sicher nicht nur im Sommer Ruhe und Entspannung finden kann.

Der Weg führt dann vom See weg, an der Grenze Bayerns entlang, unter der Bahnlinie hindurch und an ihr entlang wieder zurück und dann leicht den Berg hinauf zur Evangelischen Kirche, die ebenfalls eine Station des Bibelwegs mit dem Titel “Einheit des Glaubens” darstellt. War es eine besonders gute Planung unserer Tourenleitung, dass wir gerade um 3 Uhr dort ankamen, und die Kirchenglocken zu läuten begannen? Auch dies passte natürlich hervorragend zu dem Wanderkonzept.

Aber der Knaller kam dann bei der nächsten Station, die man nach einem etwas anstrengenden Aufstieg zum Aussichtspunkt Ottenberg erreichte. Versteckt hinter dem Gipfelkreuz hatte doch tatsächlich der Osterhase eine Überraschung für die Wanderer bereit: eine weiße Decke im Gras dekoriert mit Ostereiern und gebackenen Osterhasen. Die Begeisterung war groß, alles wurde verputzt, und wir wunderten uns dann auch nicht mehr, warum die Frau unseres Wanderführers so einen großen und prall gefüllten Rücksack dabei gehabt hatte.

Nach dieser willkommenen Stärkung wurde noch ein Wanderlied gesungen und dann ging es beschwingt weiter durch einen kleinen Wald hinab in das liebliche Nonnenbach-Tal. Die Station ist die idyllisch und verträumt gelegene Obermühle, wobei die Pferdekoppel mit Islandpferden diesen Eindruck noch verstärkte. Unglaublich, nur wenige hundert Meter weg vom geschäftigen Bodenseeufer eine solche scheinbar vergessene Idylle.

Zur nächsten Station musste man dann einen ordentlichen Anstieg bewältigen. Es war der Aussichtspunkt Nunzenberg, der uns mit einem herrlichen Blick über den Ort, den See, die Berge und die Wiesen und Felder belohnte. Auch der Titel dieser Station “Schöpfung” passte wieder perfekt: “Am Anfang schuf Gott die Welt, und er sah, dass alles gut war”. Dem war wirklich nichts hinzufügen.

Der Rückweg führte über die Nonnenbachschule und die Katholische Kirche mit ihrer hübschen Eligiuskapelle wieder zum Ausgangspunkt. Diese kleine Kapelle war früher die Dorfkirche ist heute eine Gedenkstätte für die im Krieg gefallenen Kressbronner Soldaten. Die zugehörige Station des Bibelwegs heißt hier “Bitten” mit der Aufforderung über Geschehenes nachzudenken, es zu verarbeiten, Gott zu danken und um seine weitere Hilfe zu bitten.

Der traditionelle Einkehrschwung zum Abschluss dieser schönen und erbaulichen Wanderung erfolgte dann mit einer verkleinerten Gruppe im Gasthof “Max und Moritz” oberhalb von Kressbronn mit herrlichem Ausblick im Abendsonnenschein.

Dank an den Tourenbegleiter für diese schöne Tour und dem “Osterhasen” für die nette, unerwartete Überraschung.

Horst Wünnenberg