Bericht über die Herbstwanderung zur Einsiedelei Ramsberg am Samstag, 25.10.2014

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Die Wetterprognose sagt zähen Hochnebel voraus und es bleibt auch dunstig bis in den Nachmittag. Wir starten pünktlich um 10.00 Uhr vom Rathausplatz Immenstaad und mit der Wanderung gegen 11.00 vom Parkplatz/Grillplatz an der Straße Altheim-Hattenweiler. Unser Ziel ist heute nicht nur der Weg durch die schöne Hügellandschaft des Linzgaus, sondern ein Burgberg mir einer sehr abwechslungsreichen Geschichte: der Ramsberg bei Großschönach im westlichen Bodenseekreis. Herbstlicher Dunst und Hochnebel nehmen uns leider den Fernblick, den die Wanderkarte verspricht.

Auf dem Weg zum ehemaligen Kloster Herrmannsberg begegnet uns eine Gruppe Behinderter mit ihren Betreuern, die uns lachend grüßen. Die Gebäude des Behindertenheimes fügen sich gut in die Waldlandschaft ein. Durch einen Tobel mit herbstlich buntem Mischwald steigen wir ab ins Tal der Aach und folgen der Aachtalstraße ein kurzes Stück nach Westen, bis uns mit kräftigem Rauschen der Banntobelgraben zeigt, wo die Wässer des Ramsbergs zur Aach fließen. Der Aufstieg im Bann(wald)tobel ist etwas mühevoll, holperig und nass, aber alle haben gutes Schuhwerk und keiner kommt zu Schaden. Mit dem Mittagsläuten erreichen wir die Höhe von Großschönach und werfen einen kurzen Blick in die 1956 erbaute schlichte Saalkirche St. Antonius. Wir folgen dem Wegzeichen des Schwäbischen Albvereins und sind jetzt auf dem Jakobsweg - Pfullendorf - Überlingen – Konstanz – Schweiz, dem „Schwabenweg.“ Kurz oberhalb der beiden alten Meierhöfe der ehemaligen Burg Ramsberg gibt es eine kleine „Lourdes Grotte“ mit Blumenschmuck und brennenden Kerzen zu bewundern und an der nächsten Weggabelung lächelt uns auf einem schön bedruckten fahnenartigen Kunststoffgewebe Papst Benedikt XVI entgegen – um uns in seine Klause St. Benedikt einzuladen. Wir sind ja angemeldet und umrunden den Gipfel des Ramsbergs beim Anstieg. Oben empfängt uns Bruder Jakobus, ein Benediktiner aus dem Kloster Beuron, der hier als Einsiedler lebt und Besucher und Gäste betreut.

Günter Wolf hat die Tour sorgfältig vorbereitet und erläutert uns – nach Abstimmung mit Bruder Jakobus - die Baugeschichte der Burg und der Kapelle: der Ramsberg und die benachbarten Höhen (600-700 m üb. NN) bestehen aus Ablagerungen in Flüssen und Seen der Tertiärzeit, der Oberen Süßwassermolasse, einem sehr mürben Sandstein, der auch kiesige oder mergelig-tonige Schichten einschließt. Die Oberflächenschichten bestehen aus sehr gemischtkörnigem Moränenmaterial wechselnder Dicke. Von der stauferzeitlichen Burg sind nur noch wenige Reste erhalten. Sie wurde im 11. Jahrhundert von einem Seitenzweig des Grafenhauses, der Udalrichinger errichtet. Schon ab 1171 nannte man sich aber nicht mehr von Ramsberg, sondern von Pfullendorf. Der Ramsberg war wohl zu klein geworden. Rudolf II., der letzte männliche Spross der Familie starb auf einem Kreuzzug in Jerusalem. In der Folgezeit wechselten mehrfach die Besitzer und im Dreißigjährigen Krieg wurde sie durch die heute so friedliebenden protestantischen Schweden zerstört. Genützt hat es aber nichts – denn die Kapelle, die wohl beschädigt überlebt hatte und nach Umbauten und „Barockisierung“ 1720 dem heiligen Wendelin geweiht und zu einer Wallfahrtskirche geworden war - ist jetzt im Besitz des Benediktinerordens – also immer noch katholisch!

Bruder Jakobus schildert uns noch die mehr geistliche Seite seines Daseins. Wir stellen Gartentische auf für ein kleines Vesper, und er nimmt unsere Bitte um ein kurzes Tischgebet gerne wahr. Auf unsere Frage, wie man als Mönch zum Einsiedler werden kann, erfahren wir, dass er aus Magdeburg stammt und zuerst einen Versuch mit mehreren Einsiedlern im Tessin durchlebt hat und sich dann aber für die Einpersonenlösung entschieden habe. Man muss ein Konzept ausarbeiten, was man in dem zu übernehmenden Objekt tun will und wie man das organisieren will (im nichtgeistlichen Tätigkeitsbereich würde man das wohl neudeutsch „Business Plan“ nennen) - und schließlich eine Tauglichkeitsprüfung ablegen. Inzwischen sind weitere Gäste angekommen, denn es ist St. Wendelins Tag und wir verabschieden uns alle mit sehr herzlichem Dank von einem liebenswerten Einsiedler, der so gar nicht einsam oder einsilbig wirkt.

Gegen 17.00 treffen wir uns zum Abschlussumtrunk und Abendessen im Immenstaader “Adler“ mit großem Lob an Günter für die schöne Tour.                                                                                         

Eberhard Dahms