Bericht über die Wanderung rund um Bregenz am 11. Oktober 2014

Wanderer kommst du nach Bregenz ........

dann besuche die Oberstadt mit dem Wahrzeichen der Stadt, dem Martinsturm, die Klosteranlage Mehrerau und erfreue dich einer Wanderung zur Mündung der Bregenzer Ach!

Ein städtebaulich, kulturell und landschaftlich ausgesuchtes Programm von Günter Wolf.

Es regnet. Unbeirrt erzählt unser Stadtführer: „ nach Norden drängende Römer bauen im 3. Jahrh. n. Chr. auf diesem erhöhten Felsplateau eine Verteidigungsanlage zur Sicherung ihrer Grenze, der Ursprung der Oberstadt. Im Mittelalter, ab 13. Jahrh., schützen die Bürger ihre 57 „Hofstätte“, durchzogen von drei parallel verlaufenden Straßen, mit vier starken Stadtmauern.“

Mauerbrechende Kanonen verändern die Siedlungsstrategie. Nach und nach tendieren die Bürger in die fruchtbare Seeufernähe, mit der Folge, dass die Oberstädter ihre Markthoheit an Lindau verlieren und verarmen. Vom Bregenzer Holz und vom Bodenseewasser lässt sich nicht gut leben. Sie verlegen sich auf den Weinanbau. „Schließlich“, so der Stadtführer, „schmeckte ihnen der saure Wein besser als das rheingetrübte Bodenseewasser.“

Es wird heller. Wir stehen vor dem Martinsturm. Ein mächtiges Barockbauwerk! Im Laufe der Jahre gewachsen – erst ein unscheinbarer Speicher, dann zwei weitere Stockwerke und zuletzt mit einer riesigen Holzkuppel versehen – diente er dem Turmwächter als Feuermelder. Gelingt es dem Stadtführer, den etwas feucht gewordenen und leicht ermüdeten Immenstaadern, die stark verblassten Fresken in der Martinskapelle schmackhaft zu machen? Teilweise schon, denn ihre Künstler praktizierten zum ersten Mal im süddeutschen Raum Malereien mit perspektivischer Tiefenwirkung. Leseunkundigen Betrachtern des 14. Jahrh. wurde gleichsam eine biblische Unterweisung mit diesen Bildern geboten.

Eine einstündige Mittagspause dient dem Atemholen für den zweiten Ausflug: die Abtei Mehrerau. Ein freundlicher Pater mit jungem Hund stellt sich als Abt Anselm van der Linde vor. Pater Vinzenz beginnt die Führung mit der Klosterkirche. Sie war mehrfachem Wandel unterworfen. Im romanischen Stil, 1097 begonnen, im 18. Jahrh. barockisiert, präsentiert sie sich heute, dem einfachen Lebensstil der Zisterzienser verpflichtet, sehr schlicht, beinahe schmucklos. Das schwach erleuchtete Gewölbe unter der Kirche – die Grablege der Äbte – drängt uns schnell wieder zum Licht.

Zwei Leitlinien wirft Pater Vinzenz in den Raum: Carpe diem und ora et labora. „Nutze den Tag mit Arbeiten und Beten!“ Täusche ich mich oder hat er mich da besonders angeschaut? Eine dritte Leitlinie ist der Bildungsauftrag. Das Knabeninternat und zwei Bibliotheken, eine davon die von uns besuchte wunderschöne Barockbibliothek, sprechen dafür eine deutliche Sprache.

Herrlicher Sonnenschein begleitet uns zur Mündung der Bregenzer Ach. Allseits sind Schwemmablagerungen sichtbar.

Unter großen Nussbäumen, im Klosterhof, klingt ein ereignisreicher Tag aus. Die heimatkundlichen Exkursionen, von Günter Wolf bestens vorbereitet, sind stets ein Erlebnis. Ihm und unseren Fahrern gebührt besonderer Dank.

                                                                                

Siro