Rote Flüh und Friedberger Klettersteig – Sonntag, den 15.06.2014

Mein persönliches Lieblingstal - das Tannheimer Tal - war der Ausgangspunkt unserer SONNTAGSTOUR, die diesen Namen mit Recht verdient hat - das Wetter war nach einem verregneten Samstag wie geschaffen für eine kernige Wanderung, die kleine 4-köpfige Gruppe in Sonntagsstimmung und die Tour brillant gewählt - eben eine Sonntagstour.

In unmittelbarere Nähe des Talortes Haller parkten wir und stiegen in schweißtreibender Steilheit zum Gimpelhaus auf, wohl gemerkt waren wir an diesem wunderschönen Tag nicht alleine unterwegs. Nach Fotostopp, Trinkpause und respektvollem Blick auf die Tannheimer Giganten - Gimpel, Rote Flüh und Kellenspitze, näherten wir uns der Gimpel-Südwand, mit uns, einer Ameisenstrasse gleichend, viele Kletterer in bunter Kleidung und „voller Montur“. Unsere Wege trennten sich an einem Warnschild „Nur mit Helm begehbar“, die Kletterer blieben am Fuße der Südwand und näherten sich der sogenannten Judenscharte, wir nahmen über buntblühende Wiesen gebührend Abstand zur Wand und steuerten per „Allrad“ die Rote Flüh an. Kurzweilig und rassig war der Anstieg über griffigen Fels, voller Bewunderung und schöner Erinnerungen an vergangene Touren blickten wir immer wieder zurück auf „Alte Bekannte“ - Lachenspitze, Krinnenspitze, Litnisschrofen u.a., vergaßen dabei schnell die Anstrengungen des Anstieges und erreichten den Gipfel der Roten Flüh. Nebel kam und verzog sich in Sekundenschnelle, mit dem Photoapparat musste man schnell sein, wollte man ein bestechend schönes Bild auf umliegende Gipfel oder den türkisblauen Haldensee erhaschen. Der Gipfel war zugig, unser Weg noch weit und so spannend, wir zogen weiter.

Ab nun war im steilen Abstieg gen Westen und Schartschrofen höchste Vorsicht und Konzentration verlangt, Geröll auf den knappen Tritten im Fels erschwerte einen sicheren Stand erheblich, Drahtseile waren sparsam verankert und z.T. veraltet, Eisenklemmen in Steilstücken hatten recht große Abstände zueinander, Glück dem, der lange „Füeß“ hat! Schließlich standen wir am Einstieg zum Friedberger Klettersteig, nun legten auch wir die volle Montur an und schwangen uns kraftvoll ans Eisen. Kurz und knackig ist dieser Klettersteig, aber dank der beeindruckenden Umgebung äußerst lohnenswert. Wir meisterten auch diesen Abschnitt der Tour mit Bravour und beglückwünschten uns auf dem Schartschrofen mit einem freudvollen Berg heil. Wir waren fast euphorisch über diesen gelungenen Gipfelsturm und froh über die kluge Entscheidung von unserem Tourenführer Heinz, diese Tour von Samstag auf Sonntag verlegt zu haben. Wir konnten unser Glück kaum fassen, alle Anspannung war gewichen und entspannt singend und pfeifend machten wir uns an den ebenso kurzweiligen, aber viel einfacheren Abstieg zum Adlerhorst. In traumhafter Lage hoch über dem Haldensee auf einer sonnigen Terrasse vermischten sich an unserem Tisch recht bald die Düfte von Schokoladenkuchen und Hauswurst mit Sauerkraut, diese olfaktorischen Eindrücke konnten unterschiedlicher kaum sein. Aber der Durst war uns allen gemein und egal, was durch die durstigen Kehlen rann, es zischte nur kurz und ward bald verschwunden, mit ihm die Anstrengung der letzten Stunden.

Übrig blieben (neben dem heutigen deftigen Muskelkater) vier überglückliche und dankbare Wanderer, die voller einzigartiger Eindrücke die Heimfahrt antraten und Heinz für diesen wunderschönen Tag von Herzen danken.

Anette Koyro