2-tägige Bergtour auf die Parseierspitze (3036m) am 19. und 20. August 2012

Dem Angebot von Tourenbegleiter Heinz Troll zu dieser nicht gerade einfachen Tour folgten 6 motivierte Bergfreunde. Wir fuhren gegen Mittag zügig über den Arlbergpass durch das Stanzer Tal nach Grins in der Nähe von Landeck. Von dort begann unser Aufstieg von etwa 1000 m Höhe ab zur Augsburger Hütte auf rund 2300 m. Sonntag, der 19.8. war einer der heißesten Tage dieses Sommers und in glühender Nachmittagshitze machten wir uns auf, die 1300 Höhenmeter zu bezwingen. Es war ein schweißtreibender, kräftezehrender Aufstieg von 3 1/2 Stunden. Aber welch eine Belohnung, als wir das Ziel erreicht hatten! Es bot sich uns ein überwältigender Blick tief hinunter ins Stanzer- und Paznauntal und weit nach Süden in die zahllosen Gipfel der Zentralalpen. Bei kühlen Getränken vor der Hütte auf einem der schönsten Felsenbalkone der Alpen, diesem Logenplatz, fühlten wir uns in Hochstimmung.

Am nächsten Morgen stiegen wir auf einem gut markierten Weg im Zickzack über Grasflächen und Felsbänder auf den Gatschkopf (2945 m), den Hausberg der Augsburger Hütte. Die Aussicht war außerordentlich gut, und wir fragten uns, wie sie wohl von der im Westen stehenden, wuchtigen Parseierspitze sein werde.

Den Einstieg zur Parseierspitze (3036 m) erreichten wir über die Patrolscharte und den Grinner Ferner. Und nun standen wir staunend vor dem einzigen Dreitausender der Nördlichen Kalkalpen. Dieser vom Grinner Ferner aus gesehene 200 Meter aufragende Gipfel ist durchzogen von bräunlichen Mergelschichten, die stark der Verwitterung ausgesetzt sind und mit den dazwischen liegenden abbrechenden Kalkschichten viel Schutt und dadurch Steinschlag in den Südaufstieg bringen. Jeder von uns trug daher einen Helm. Seine Höhe verdankt der Berg einem unter dem Gipfel liegenden rotschwarzen Gesteinsband aus verwitterungsbeständigem Kalk, der der oberen Juraschicht angehört. Diese Schicht fehlt den umliegenden Bergen, deren Gipfel daher mehr der Erosion ausgesetzt und niedriger sind.

Wir hatten erhebliche Probleme die ersten 20 Meter zu überwinden, da der Gletscher stark zurückgeschmolzen ist und die tiefe Randspalte die Situation noch verschlimmerte. Der Felsen war an dieser Stelle ziemlich glatt und bot wenig Griffe und Trittmöglichkeiten. Außerdem war Lockermaterial ein ernst zu nehmendes Hindernis. Nachdem wir diese Schlüsselstelle mit Mühe überwunden hatten, gelang es uns, ständig kletternd den Gipfel zu erreichen. Nun lagen uns die Lechtaler-, die Allgäuer Berge und die des Ferwalls zu Füßen. Der Blick streifte aber auch weit nach Süden in die Bergwelt aus Granit und Gneis. Diese Spitze erreicht zu haben, war der Höhepunkt der zweitägigen Bergtour. Beim Abstieg machte uns die Problemzone ganz unten wieder Kopfzerbrechen. Aber mit gegenseitiger Hilfe der Bergkameraden kamen alle wohlbehalten auf dem Grinner Ferner an.

Der weitere Abstieg führte uns durch die Gasillschlucht, ein letzter beeindruckender Abschnitt der Tour. Der nach unten immer steiler abfallende Felsabbruch ist heute gut gesichert durch Drahtseile und viele Tritte aus Eisenstangen. Nach Überwindung einer steilen, langen Schutthalde kamen wir nach 8 Stunden wieder zu unserer Augsburger Hütte. Nachdem wir dort unseren ausgepumpten Wassertank während einer längeren Pause wieder aufgetankt hatten, traten wir den 2 1/2-stündigen Abstieg zum Autoparkplatz an. Auf- und Abstieg an den zwei Tagen betrugen etwa je 2200 Höhenmeter.

Im Namen aller Teilnehmer möchte ich mich besonders bei Heinz Troll bedanken, der die Tour geplant, gewissenhaft geleitet und durch seine humorvollen Gedankenblitze aufgeheitert hat. Seine Hilfsbereitschaft soll nicht unerwähnt bleiben.

Reinhard Sendele