„Härtetest“ am Falknis (2562m)

Am Montag, den 23.7.2012, saßen nach längerer Regen- und Kälteperiode 7 unternehmungsfreudige Bergwanderer in den Startlöchern, um 7.30 Uhr in Luziensteig (719m - FL) zu einer großen Tagestour zum Falknis aufzubrechen.

In morgendlicher Frische stiegen wir zügig zur Enderlin-Hütte (1500m) auf und hatten uns dort nach 2-stündigem Aufstieg eine erste größere Rast bei frischem Kaffee verdient.

Weiter ging‘s bergauf über steile, z.T. vom langen Regen schmierige Wiesenhänge, die Schuhe wurden immer schwerer, das Sohlenprofil war unter einer festgebackenen pampigen Erdschicht gänzlich verschwunden, und so war äußerste Konzentration und Vorsicht geboten. Dankbar griffen wir nach jedem größeren Stein und Seilstück, das zusätzlich ein wenig Halt bot. Aber wir meisterten diese Hürde und erreichten, nun schon etwas erschöpft und von der Sonne zusätzlich aufgeheizt, das Fläscher Fürkli. Wir waren froh, nun trockenen festen Boden unter den Füßen zu haben und erfreuten uns an der klaren Fernsicht zu gewaltigen, uns z.T. schon bekannten Bergen und den eindrucksvollen Tiefblicken vom Rheintal bis zum Bodensee. Wir erspähten u.a. den Naafkopf, der am Tourenabschlusswochenende im Malbuner Tal eines unserer Ziele sein könnte.

Frisch gestärkt griffen wir nun über gut gestuften Fels zum Gipfelsturm an, den wir knapp 6 Stunden nach unserem Aufbruch und nach Bewältigung von immerhin 1940Hm alle glücklich, wenn auch etwas erschöpft gemeistert hatten. Voller Respekt gratulierte ich meinen 6 männlichen Begleitern zur gelungenen Bergbesteigung, denn, wenn ich auch die einzige weibliche Teilnehmerin war, so war ich doch altersmäßig das absolute Küken unter den Bergkameraden, die ich wegen ihrer starken Kondition und Willenskraft nur bewundern kann. Ausgelassen fotografierten wir am Gipfelkreuz, ließen uns das Vesper und Heinz‘ Gipfelwasser schmecken und wollten gar nicht an den langen, beschwerlichen Abstieg denken. Aber was hilft’s – alles hat ein Ende ...

Wir stiegen hinab ins Fläscher Tal, erfreuten uns an den türkisblauen Bergseen und der in allen Farben leuchtenden Blütenvielfalt und konnten die Mühen das Abstieges fast verdrängen, bis wir an der Fläscher Alpe den Gegenanstieg wahrnahmen und wussten, dass uns danach nur noch ein langer, steiler Abstieg erwartet. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir aber noch nicht, dass unser Weg nicht mehr gepflegt wird und damit völlig verwildert, überwuchert und fast nicht mehr erkennbar sein wird. Uns gegenseitig Mut und Hoffnung zusprechend und auf schlammigem Untergrund „Pirouetten“ drehend, ein fröhliches Lied auf den Lippen und lustige Episoden von vergangenen Bergtouren austauschend, erreichten wir trotz widriger Umstände wohlgelaunt, erschöpft und durstig nach fast 12-stündiger Tour unseren Ausgangsparkplatz. Wir schlüpften in saubere Kleidung und lechzten nach einem erfrischenden Getränk.

Danke, Heinz, für diese spannende Herausforderung und dieses unvergesslich schöne Bergerlebnis, was wieder genug Gesprächsstoff bei kommenden Touren liefern wird.

Anette Koyro