Bericht über die Wanderung am Samstag, 17. März 2012

Schon nach wenigen hundert Metern auf der Seestraße Ost Richtung Kniebach bekommen wir anerkennende Bemerkungen, wo denn die „Völkerwanderung“ wohl hingehen solle! Aber bei dem beinahe schon sommerlichen Wetter ist mit 28 Teilnehmern  wohl gleich der Jahresrekord gesetzt. Das als kleiner Park rekultivierte Mündungsgebiet ist mit der schönste Teil des Kniebaches.

Der zweite Halt bei der Gärtnerei Dickreiter lässt uns tief in den Kniebachtobel (früher hieß das Bachstück Tobelbach) blicken. Ein Mühlsteinfund belegt, dass dort vermutlich in früherer Zeit eine Mühle existiert hat.

Vor der B 31- Brücke bei den Spiegelberg Hochhäusern erfahren wir, dass „Spiegelberg“( lt. Heimatforscher Rolf Hiss) vielleicht auf einen Posten einer Römerstraße zurückgeht, von dem aus per Spiegel Signale weitergegeben wurden.

Hinter der Brücke folgen wir dem Kniebach nach Osten bis zu der Stelle, an der er von Norden aus auf die früher sumpfigen „Stockwiesen“ heraustritt, wo der Funken abgebrannt wird. Auf alten Karten gibt es Hinweise, dass der Bach ursprünglich von hier aus zum Lipbach hin geflossen sein könnte und von Menschenhand nach Westen umgeleitet worden ist – um „mehr Wasser auf die Mühle“ zu bekommen.

Am Kniebach wandern wir jetzt nach Norden bis auf den Damm, der (lt. Heimatforscher Wolfgang Trogus) früher den Spiegelweiher aufgestaut hat, durchqueren die verschilfte Niederung und wenden uns in dem Waldstreifen Weiherholz nach Norden. Das raschelnde trockene Buchenlaub erinnert an Spaß in Kindertagen.

Östlich vom Weiherholz, in den Kniebachwiesen, erfreut uns erst eine kräftige gelbgrüne Kröte, die vielleicht einen Tümpel im Spiegelweihertal ansteuert und kurz darauf eine kleine braune Eidechse. Die Wärme lockt sie hervor. Wir freuen uns über die trockenen Wege und Wiesen, weil trotz der frühen Jahreszeit alle trockene Füße behalten.

Der Weg von Reute zum Gehöft Leiwiesen liegt auf einer Wasserscheide zwischen dem Kniebach, der noch einen kleinen Teil des nördlich des Weges von Reute nach Kluftern gelegenen Sumpfwaldes erfasst , während wenige hundert Meter weiter, östlich der Weggabelung nach Leiwiesen schon ein Graben/Bach nach Norden, zur (Seefelder) Aach abfließt.

Kräftig aus dem Boden sprudelnde Quellen gibt es in diesem Gebiet nicht, das von wasserstauendem  Lehm (Grundmoräne) geprägt ist  Als „Toteislöcher“ , wie einer der Mitwandernden nachfragt, kann man sie vermutlich nicht einstufen. Von hier bis zu seiner heutigen Mündung in den Bodensee hat der Kniebach damit eine Länge von 3,5 km und ein Gesamtgefälle von 34 m.

Aus den sumpfigen Niederungen geht’s jetzt auf 450 m NN nach Reute „hinauf“ – die Altvorderen haben auf den Geländerücken oder Kuppen gebaut – da war es trockener!

Beim Obsthof Pfleghaar, erfrischen wir uns bei Kaffee und Kuchen oder einem Radler und genießen die warme Frühlingssonne draußen an den Gartentischen. Herr Pfleghaar gibt uns einige Erklärungen zu seiner Spezialität Erdbeeren (zahlreiche Sorten, von April bis Oktober im eigenen Anbau und Verkauf) und noch einige Informationen zur Situation der Landwirtschaft  in unserer Region.

Der Rückweg führt uns nun vom Obsthof  erst ein Stück am Seelbach entlang und dann wirklich „querfeldein“ um das Lochholz (Waldstück) herum – bei dem schönen Wetter aber alles „trockenen Fußes“ - bis wir wieder auf den Seelbach treffen.

Dieser Bach kommt aus zwei sumpfigen Quellgebieten am Ostrand des Waldgebietes Weingarten (früher zum dortigen Kloster gehörig) westlich von Reute und südwestlich von Hundweiler.

Wir folgen nun direkt dem Lauf des Seelbaches. Südlich des freistehenden Hauses, wo der Bach nach Osten zum Herrenweiher abknickt, ist früher (nur bei Hochwasser? – oder vielleicht häufiger) auch ein Abfluss nach Süden über den Laimgraben zum Kobenbach und damit durch die Ortsmitte von Immenstaad erfolgt. Als wir am  ehemaligen Herrenweiher vorbei sind, wundern wir uns über die tief eingeschnittene „Steinerne Renne“, die  vielleicht so vertieft worden ist, um Hochwässer sicher zum Kniebach am Ortsende  umzuleiten. Nach einem kurzen Schwenk vom Seegaddelgraben nach Norden, um den Verlauf der breiten Senke  in Richtung auf die Seegaddel Strasse zu erkennen, verabschieden sich die ersten Bergfreunde - nach gebührendem Lob an Günter Wolf für die sorgfältige Vorbereitung und die Erläuterungen während der Tour, die von geologischer Vorzeit bis zur heutigen Zeit reichten.

Der „harte Kern“ sammelt sich noch im Adler zum Abschlusstrunk, aus dem dann ein gemütliches Abendessen wird, bei dem noch viel erzählt und viel gelacht wird.

Eberhard Dahms