Bericht über den Tourenabschluss am 15./16.10.2011

Am 15.10. starteten 7 nebelüberdrüssige Wanderer zum Tourenabschluss in der Region Ostallgäu / Ammergebirge, um die Sonne und Bergeslust zu finden. In beidem wurden wir fündig.

Am ersten Tag überwanden wir zunächst sehr gemütlich mit der Breitenbergbahn 600Hm und starteten von der Bergstation aus auf den Aggenstein. Dicke Nebelwände hatten wir im Tal zurückgelassen und schauten nun, von der Sonne bereits erwärmt, völlig fasziniert auf das wattige Nebelmeer, über das farbenfrohe Gleitschirme dahinschwebten.

Vorbei an der Hochalphütte, immer den markanten Aggenstein vor Augen, führte uns zunächst ein breiter Weg Richtung Süden in einen Grassattel, wo wir uns nun bei sommerlichen Temperaturen der überflüssigen Kleidungsstücke entledigten. Über den „Langen Strich“, einen steinigen, teils drahtseilgesicherten Steig für „Geübte“ gelangten wir schließlich auf eine Schulter des Gipfelgrates. Wir genossen den Blick in die Ferne und auf das immer noch dichte Nebelmeer unter uns und erstiegen über gut gestuften Fels, teilweise durch den zusätzlichen Einsatz des „Frontantriebes“, den Gipfel des 1987m hohen Aggensteins. An diesem schönen Tag waren wir nicht allein dort, aber wir erfreuten uns mit den anderen Gipfelstürmern an den uns gut bekannten, den Vilsalpsee rahmenden, Tannheimer Bergen und an einer prächtigen Fernsicht, nicht zuletzt an dem wohlverdienten Vesper und dem spätsommerlichem Wetter.

Das Abklettern erforderte höchste Konzentration. Junge Burschen beobachteten voller Respekt, wie unsere doch schon recht betagten 70er und 80er den Abstieg recht mühelos meisterten, nachdem sie erst scherzhaft meinten: „Schau, da gehen die Erben nochmal mit der Oma zum Klettern!“ Auf dem Rückweg lud uns die Bad Kissinger Hütte zu einem Kaffee ein, schließlich gelangten wir beeindruckt von der faszinierenden Bergwelt mit der Bergbahn wieder hinab ins Tal. Im König Ludwig Hotel in Schwangau bezogen wir Quartier und ließen uns beim Hanselewirt, wo ein Tisch für Herrn Nosse(!) bereits reserviert war, kulinarisch verwöhnen.

Am nächsten Tag hatte uns der Winter eingeholt. Dem gemütlichen Frühstück im warmen Hotel folgte ein ungemütliches Eiskratzen an unseren Autos und wir fuhren nach Halblech, von wo uns der Kenzenbus auf z.T. spektakulär steiler Bergstrasse zur Kenzenhütte brachte. Nur ungern trennten wir uns von dem Wärme spendenden Kachelofen der urgemütlichen Hütte und stiegen, anfangs zügig, da schattig, immer begleitet vom imposanten „König Geiselstein“, dem Kenzenkopf und den bizarren Kenzennadeln zum Lösertaljoch auf. Wir folgten der Beschilderung des E4 mit der Aussicht auf einen noch 3stündigen Aufstieg. Zwischen Latschenkiefern, über ein Meer ausgewaschener Kalksteingebilde balancierend, erreichten wir einen aussichtsreichen Sattel am Fuße des Gipfelgrates der Hochplatte, unserem heutigen Ziel. Hier boten sich grandiose Talblicke auf die - heute nebelfreie - reizvolle Allgäuer Seenlandschaft, die nahe Zugspitze und ferne Alpengipfel unter makellos blauem Himmel. Über einen luftigen Grat und gestuften Fels erreichten wir letztendlich den höchsten Punkt des schmalen, langgezogenen Gipfelgrates auf 2082 m Höhe, auf dem wir leider keine Platzkarten reserviert hatten. Wir zogen es vor, unsere Gipfelrast etwas abseits zu genießen, nun mit Sitzplatz für jeden von uns. Wir „Jungspunde“ waren sehr stolz auf unsere „Oldies“ und sparten nicht mit Lob. Auf die Besteigung der nahegelegenen Krähe und den Abstieg übers Fensterl verzichteten wir nach der Warnung vor Eisplatten, zumal wir gerade dem Helikoptereinsatz zur Bergung einer verletzten Bergsteigerin direkt unterhalb unseres Gipfels zusehen mussten. Wir entschieden uns für den bereits bekannten, ohnehin recht schwierigen Rückweg. Die bereits erwähnte, sehr liebevoll gestaltete Kenzenhütte lud nochmals zum Verweilen und Genießen ein, bevor uns der Bus wieder nach Halblech zu unseren Autos brachte.

Bei der Schlusseinkehr in Immenstaad waren alle sehr zufrieden und glücklich über so ein gelungenes und eindrucksvolles Bergerlebnis und dankten unseren Organisatoren Wolfgang und Brigitte sehr herzlich dafür.

Anette Koyro