Bericht über die Fahrradtour vom 5. bis 7. Juni 2011 auf dem Isar- Radweg vom Ursprung der Isar bis nach München

Erstaunlich ausgeschlafen trafen sich 3 Radfahrer und 1 Pedelecler am Sonntag um 5:40 Uhr mit vollgepackten Rädern vor Hermanns Haustüre. Ein weiterer Mitstrampler war zwar auch pünktlich zur Stelle, musste aber noch einmal umkehren, um den vergessenen Helm zu holen. Zur Strafe durfte er dann eine Aufholjagd zu den vorauseilenden Burschen hinlegen. Der Albert mit seinem Pedelec war sowieso schon vorausgeeilt, um in Ruhe den Zug zu erreichen. Zwei weitere Mitfahrer stießen am Bahnhof in Friedrichshafen dazu; womit dann die Gruppe mit insgesamt 8 Teilnehmern komplett war. Gerade noch rechtzeitig konnten wir unsere Räder in den Zug laden, als dieser auch schon in Richtung Lindau davonfuhr. Dort umgestiegen konnten wir schon bald über Memmingen nach München weiterfahren. Ein untrügliches Zeichen für das erwartete schöne Wetter war, dass der Albert seine Hosenbeine abzippte. Im Anschlusszug erreichten wir gerade noch rechtzeitig Mittenwald, um mit einem zünftigen bayerischen Frühstück mit Weißwürsten und gleichfarbigem Bier im „Stern“ den wadenstrapazierenden Teil unserer Unternehmung angehen zu können. Nachdenklich stimmte uns, dass der Aufzug am Bahnhof mit Eberhard, einer Dame und den beiden beladenen Fahrrädern nicht losfahren wollte. Es war schon klar, dass das nicht am Eberhard liegen konnte, zumal der Lift ja dann ohne die Dame klaglos seinen Dienst verrichtete. Noch vor dem Weißwurstfrühstück bezogen wir in Mittenwald unser etwas in die Jahre gekommenes Hotel „Mühlhauser“. Für den Rest des Tages war bei sonnigem Wetter noch eine schweißtreibende Tour  (Gott sei Dank ohne Gepäck) zum Ursprung der Isar im Tiroler Karwendelgebiet und wieder zurück angesagt. Bis Scharnitz noch über akzeptable Wege ging es dann über Pisten, die teilweise den Namen Radweg wirklich nicht verdient haben, über Schlaglöcher bergauf, teilweise auch kräftig bergauf, zu unserem Ziel. Die Isar mit ihrem gletschergrünen Wasser und die umstehenden Berge bildeten dazu eine beeindruckende Kulisse. Unterwegs ging dem Chronisten noch die Luft aus (natürlich aus dem Reifen und nicht aus der Lunge), was ihn zur Umkehr nach Mittenwald noch kurz vor dem Ziel bewog. Zu erwähnen sind auch die Mountainbiker, die offensichtlich beim Fahrradhändler ihr Hirn deponiert hatten und uns in halsbrecherischer Weise über die Schlaglöcher rasend und wohl ahnend, dass in der nächsten Kurve der Weg frei ist, entgegenflogen. Gegen Abend erreichten wir dann wieder Mittenwald, wo sich die Jungs landfein machten und bei drohendem Gewitter dem „Stern“ zueilten, um die verbrauchten Batterien mit Schweins- und Hammelbraten und ungezählten Bieren aufzufüllen. Dabei mussten wir auch lernen, dass die Bestellung eines kleinen Bieres zu der Aufforderung führt: „Dann wartst halt bis an Durst hast“, weil ein gestandener Bayer unter oaner Halben gar nicht zu trinken anfängt. Das Gewitter hatte sich inzwischen verzogen (wir hatten also vergebens den Biergarten gemieden) und so konnten wir uns beschwingt wieder unserer Unterkunft nähern. Ausgeruht nach einem ausgiebigen Frühstück traten wir dann die nächste Etappe unserer Tour an. Bei sonnigem Wetter ging es dann entlang einer schon stattlicheren Isar (teils auf dem Radweg parallel zur Bundesstraße) bis nach Wallgau. Ab hier fuhren wir über eine Mautstraße abwechselnd bergauf und bergab zum Sylvensteinstausee.

Immer wieder war Gelegenheit zu einem Foto-, Atem- bzw. Trinkstopp, bevor es dann mehr oder manchmal auch weniger gemütlich weiterging. Meist die Isar im Blick erreichten wir schließlich Winkl bei Lenggries, wo uns im Gasthof „Gassler“ wiederum Weißwürste aber ohne Bretzen serviert wurden. Auch da mussten wir  die Erfahrung machen, dass die Bestellung  eines sauren Radler einer Beleidigung des Bayerntums gleichkommt und einen dem Verdacht aussetzt ein Preiss zu sein. Das heutige Tagesziel sollte Wackersberg bei Bad Tölz sein. Das hatte nur die Eigenart, auf dem Berg zu liegen und somit den müden Radlern einen schweißtreibenden Aufstieg abzuverlangen. Dafür wurden wir mit einem wunderschönen Aufenthalt bei Maxi und Andy in der Pension „Willibald“ belohnt. Nach zäher Diskussion über das zu benützende Transportmittel und obligatorischer Dusche machten wir uns schließlich geschniegelt und gebügelt zu Fuß auf den Weg zum 3 bis 4 km entfernten und tiefer liegenden Bad Tölz. Das Wetter sah bedrohlich aus, aber der Wirt zerstreute unsere Bedenken. Die Kuchenfraktion unter den Radlfreunden musste sich natürlich noch Kaffee und Kuchen im „Stadtcafé“ gönnen. Eine Besichtigung der Tölzer Altstadt  und der Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt im bayerischen Spätgotikstil stand sodann auf dem Programm. Mit seiner malerischen Lage an der Isar und den beeindruckenden reich verzierten Häusern in der  historischen Marktstraße mit ihren Lüftlmalereien ist Bad Tölz wirklich einen Besuch wert. Im „Metzgerbräu“ wurden dann die verbrauchten Kalorien wieder aufgefüllt - als wären wir nicht kurz zuvor im Café gewesen - und anschließend bei Regen und wiederum zu Fuß (man höre) der Heimweg nach Wackersberg angetreten. Am nächsten und letzten Tag verlief der Weg zum Teil in Sichtweite der Isar über Geretsried nach Wolfratshausen, wo wir dann zum letzten Mal das Bayernmahl (WW+WB+Bretzen) im Biergarten der Wirtshauses „Flößerei“ direkt an der Loisach zu uns nahmen. Weiter ging es am Isarkanal und dann wieder der Isar entlang über Straßlach durch den Grünwalder Forst nach München. In Stadtnähe aalten sich schon die Sonnenhungrigen auf den Kiesbänken der Isar. Die Großstadt ist nicht gerade der Traum für Radfahrer, aber wir erreichten dort gerade noch den Zug nach Buchloe und nach weiterem Umsteigen glücklich aber müde den Bahnhof in Friedrichshafen. Dort verabschiedeten sich unsere Häfler Mitfahrer von uns und der Rest der Truppe fuhr per Rad zu unserem Ausgangspunkt in Immenstaad. Summa summarum kamen so insgesamt ca. 190 stolze Radkilometer zusammen.

Eine harmonische und gute Truppe hatte sich zusammengefunden und freut sich schon auf das nächste Jahr. Unser aller Dank  gilt dem Hermann, der viel Mühe in die Vorbereitung der Tour gesteckt und uns meisterhaft zum und über den Isar-Radweg und wieder nach Hause geführt hat.

Walter Schrieder