Freschenüberschreitung

Frage: was liegt in Sichtweite und wurde vielleicht noch nicht mit dem Bike befahren? Nun ja, die Nordwand des Säntis ist es nicht, das wäre vielleicht was für Danny McAskill. Nein, es ist der Freschen, ein schöner Aussichtsberg, den man auch vom See gut sehen kann und dessen charakteristische, steile Grate mit ihrem kleinbröseligen und rutschigen Kalkplättchen so manchen Wanderer schon geschreckt haben.
 
   Freschen 5
Am 12. Juli starten 7 hoch motivierte MountainbikerInnen des DAV Friedrichshafen an der Karrenbahn in Dornbirn auf 450 m Höhe. Es wird heute wieder heiß werden und der Großteil des Aufstiegs liegt auf der Südseite. Zunächst geht die Fahrt durch das Rheintal auf kräfteschonenden Nebenstrassen und Radwegen nach Rankweil. Hier machen wir noch einen Cappuccino-Stopp mit Nusshörnli und beginnen dann den Anstieg auf der Fahrstrasse nach Übersaxen. Ab ca. 700m Höhe geht es südlich der Üblen Schlucht mässig steil bergan. Die Strecke liegt noch im Schatten aber wir haben schon gute 22 °C.
Am Ende der Üblen Schlucht erreichen wir Bad Innerlaterns. Wir kehren nicht ein, denn uns drückt so langsam die Zeit. Es geht nun durch den Wald Richtung Skigebiet, leider müssen wir 150 hm wieder abfahren bis wir den Forstweg zur Nob erreichen. Dieser liegt schon voll in der Sonne und so langsam wird uns heiß. An der Gapfohl-Alpe fassen wir erst mal Wasser und warten auf den Rest der Gruppe. Die ersten Ermattungserscheinungen tauchen auf und ein paar Notriegel müssen eingeworfen werden.
 
An der Nob vorbei geht es über ein Joch zur Saluveralpe. Ab hier wird es steil und der Weg verliert sich teilweise auf den Alpwiesen. Die Graspassagen zehren doch gewaltig an der Batterie! Zudem liegt die Strecke in der prallen Sonne, nur konditionsstarke Biker fahren hier noch. Doch irgendwann erreichen wir das Freschenhaus und machen erst mal eine längere Rast.
 
Ab dem Freschenhaus nützt auch Kraft nicht mehr viel und wir schieben die Bikes bis fast zum Freschengipfel, nur die letzten 300m kann man wieder fahren. Sieht immerhin gut aus, am Gipfel auf dem Bike sitzend anzukommen. Es liegen nun fast 2000 hm hinter uns, damit wäre der Aufstiegsteil geschafft.
Nach kurzer Auffrischung der Kräfte gehen wir nun die Schlüsselstelle der Tour an. Es gilt vom Freschengipfel über den steilen Binnelgrat nach Norden mitsamt der sperrigen Bikes abzusteigen. Die Seilsicherungen für „normale“ Wanderer deuten schon darauf hin, abrutschen sollte man hier nicht.
Freschen 1   Freschen 2
Gipfel Freschen
 
   Freschen 3
Nur durch gemeinsame Anstrengungen ist es möglich alle Teilnehmer samt Bike sicher den steilen und schmalen Weg hinunterzubringen. Mit Ruhe und Überlegung lässt sich das aber doch ordentlich bewältigen und dann ist das steilste Stück überwunden. Doch der Grat ist nicht nur steil, sondern im hinteren Teil auch schmal und der Weg rutschig. So sind wir alle froh, als der Grat endlich zu Ende ist und wir sicheres Alpgelände erreichen. Schaut man zurück, fühlt man sich eher auf einer Vulkaninsel im Atlantik als in Vorarlberg. Es gibt kaum Grün in den steilen Schutthängen und die nachkommenden Teilnehmer wirken verloren mit ihren Bikes in dieser urwüchsigen Landschaft.
 
Ein steiler Abstieg muss noch geschoben werden, dann können alle wieder aufsitzen und den gut fahrbaren Weg über die Binnelalp am Alpkopf vorbei Richtung Altenhofalpe entspannt bewältigen.
Nun kommt die noch offene Frage, kann man den Weg unter der Materialseilbahn fahren? Im oberen Teil sieht es doch noch sehr ausgesetzt aus, so dass wir die ersten 50hm schieben. Doch dann wird das Gelände neben dem Weg besser, die Absturzgefahr gering und man kann es probieren. Nur die Spitzkehren erfordern gute Fahrtechnik (Umsetzen) oder den Mut, mit fast quer stehendem Vorderrad um die Kurve zu „eiern“. Im Zweifelsfall schiebt man einfach um die Kurve und kann dann wieder aufsteigen. Der Weg bietet noch ein paar Sahnestückchen zum Schluß und so kommen wir gut auf der Unterfluhalpe an. Die restlichen Höhenmeter verlaufen auf breiten Schotterwegen und so bauen wir die restlichen 600hm mit heißen Bremsscheiben zügig ab. Zum Schluß kann es Chrische nicht lassen und biegt noch in einen Singletrail ein, der aber nicht mehr an die Ausgesetztheit der Strecke heran reicht.
 
Schließlich stehen wir bei schon etwas fortgeschrittener Stunde wieder am Auto vor der Kartenbahn und laden die Bikes wieder auf. Im Kopf verbleibt ein erlebnisreicher Tag den man so schnell nicht wieder vergißt.
 
Freschen 4
 
Autor: Stefan
Bilder: Yelena (1), Stefan (2-5)