Teamwork Kraxxlerstyle

Kommenden Samstag findet die DAV-Vereinsmeisterschaft im Sportklettern in unserem Kletter- und Boulderzentrum (KBZ) statt. Dafür werden von unseren Profiroutenbauern Thommy und Klaus eine Woche lang ziemlich viele neue Routen in die Wände geschraubt. Schließlich sollen alle Teilnehmer Herausforderungen in ihrem Schwierigkeitsgrad finden! Eine echt komplizierte Aufgabe, bedenkt man, dass unsere regelmäßigen Gäste im KBZ ihr Limit zwischen dem 5. und 9. Schwierigkeitsgrad erreichen. Außerdem müssen ja bereits bei den Planungen für neue Routen alle 32 Hakenreihen unserer Halle berücksichtigt werden. Zwei Routen in der gleichen Farbe neben oder sogar übereinander würden ja schließlich keinen Sinn machen, genauso, wie es wichtig ist, dass über die ganze Halle verteilt leichte Routen zu finden sind.

Fünf Tage lang schrauben Thommy und Klaus, neben ihrem normalen Beruf, die ca. 25 Routen für unsere Vereinsmeisterschaft. Damit das in der kurzen Zeit klappt, ist sogar der ein oder andere Tag Urlaub notwendig. Das alles bekommen wir als Kletterer „für lau“, denn die Beiden arbeiten komplett ehrenamtlich und ohne Aufwandsentschädigung! Vielen Dank ihr Zwei!


Damit man in unserer Halle vom Fußboden bis in maximal 11m Höhe kraxeln kann, werden einige Griffe (ca. 20-30) pro Route und ein ganz schön großer Haufen für die ganze Halle benötigt. Ein paar davon gibt es jedes Jahr neu. In diesem Jahr sind echt coole honigfarbene Griffe dabei, die mit ihrem Wabenmuster sogar von der Form ein wenig an einen Bienenstock erinnern. Aber keine Angst, sie stechen nicht. Als besonderes Highlight –im wahrsten Sinne des Wortes- hat Thommy uns in diesem Jahr zahlreiche orangene und grüne Griffe in Leuchtfarben eingekauft. Insgesamt gibt es ca. 400 flammneue Griffe in allen möglichen Größen und Formen. Übrigens: Zum Glück wurde die Bestellung mit einem VW-Bus abgeholt, denn in ein normales Auto hätten die alle gar nicht reingepasst!

Ok. Als aufmerksamer Leser hast Du bestimmt gemerkt, dass die paar neuen Griffe nicht mal für die Routen auf der Vereinsmeisterschaft reichen. Stimmt! Unsere alten Griffe sind ja zum Glück auch noch da. Nach einem halben Jahr in der Halle ist es übrigens ziemlich leicht die vorhandenen Farben der Griffe aufzuzählen. Die sind vom Magnesia und dem Schuhabrieb nämlich alle mehr oder weniger grau. Aber nur oberflächlich.

Unten unter dem ganzen Dreck sind die Farben echt super konserviert. Man muss quasi nur den Schmutz abwaschen und sie sehen aus und fühlen sich an wie Neue. So einfach die Theorie. In der Praxis bedeutet das aber auch, dass die über 5000 Griffe aus Kletterhalle und Boulderbereich abgeschraubt und gewaschen werden müssen. Gut, dass wir im Verein eine Gruppe haben, die sich dieser Herausforderung zweimal im Jahr mit großem Engagement stellt.

Die Kraxxler sind eine bunt gemischte Gruppe, der neben Sportklettern und Bouldern so die ein oder andere Flause in den Kopf kommt. Wenn es aber an die Griffwaschaktion geht, dann merkt man erst so richtig, was für ein eingespieltes Team die Kraxxler eigentlich sind. Um die 20 Gruppenmitglieder brauchen nur einen halben Tag um alle Wände der Halle von der Grifflast zu befreien. In Handarbeit. Anschließend werden die Griffe in verdünnte Essigsäure eingelegt. Damit wird das Magnesium aus den Poren der Griffe gelöst. Anschließend werden die Griffe von Hand ordentlich geschrubbt und in einer Winterhalterindustriespülmaschine bei 80°C nachgespült.

Die nun wieder wie neu aussehenden Griffe landen dann bunt gemischt in Sammelboxen. Dampfend fahren sie in Kisten durch die Halle zum Trocknen. Zum Schluss werden sie farblich und nach Größen sortiert, damit die Routenbauer sich leichter die für ihre Bewegungsherausforderungen passenden Objekte aussuchen können. Natürlich werden nicht nur die Griffe ordentlich ausgelegt, auch die vielen tausend Schrauben müssen wieder der Größe nach sortiert werden.

Ganz am Schluss, wenn alle Spuren der Aktion beseitigt sind und nur noch die leuchtend bunten Griffe am Boden eine Ahnung über die vergangenen Anstrengungen aufkommen lassen, dann wird von Joschi, dem Gruppenleiter der Kraxxler, die Zeit für die Aktion gestoppt. In diesem Jahr war es mit knapp acht Stunden wieder einmal Rekord. Wenn man bedenkt, dass vor zehn Jahren für die Hälfte der Kletterflächen noch zwei Tage für die Aktion benötigt wurden, eine echt beachtliche Leistung!

Ich bin echt stolz, Teil einer so genialen Truppe zu sein.