Gipfelgeburtstag

Eigentlich versucht man beim Klettersteig an jedem Gramm zu sparen. Da wird das Sicherungsset mit den kleinsten Karabinern gewählt, die Jacke auf der Hütte gelassen und statt der langen tut es auch mal die kurze Hose. Deswegen wird man wohl eher selten auf so einem Gipfel Leute mit Sekt, Kaffee und Kuchen antreffen. Dass sich das trotzdem lohnen kann haben wir vor ein paar Wochen auf dem Saulakopf bewiesen.

Aber der Reihe nach. Am Samstag den 16. Juno begab sich unsere Wanderschaft von 14 Leuten auf den Aufstieg zur Staumauer am Lünersee. Nachdem wir uns dort durch den Wind gekämpft hatten ging es über den Saulajochsteig weiter zur 1709 Meter hoch gelegenen Heinrich-Hueter-Hütte. Hier wurden wir freundlich vom Hüttenwirt empfangen und konnte erstmal unser "Basislager" einrichten.

Nach einer Pause teilten wir uns aufgrund der Steinschlaggefahr in zwei Gruppen für den Klettersteig und eine mutige Zweierseilschaft. Diese hatte sich vorgenommen den Gipfel über den Saulakamin zu erklettern. Die Zweiteilung erwies sich als sehr gut, blieb die erste Gruppe doch auffällig oft stehen um die Route zu "modifizieren".

So wurden sie schnell von den Nachkommenden eingeholt und gleich waren die ersten Dankesrufe zu hören. Diese kamen von einem Geburtstagskind, welches sich trotz des Ehrentages nicht den Klettersteig entgehen lassen wollte. Die kreativen unter uns hatten sich deswegen eine kleine Überraschung einfallen lassen und Glückwunschkärtchen vorbereitet, die von der ersten Gruppe an den Sicherungspunkten entlang des Klettersteigs befestigt wurden.

Gemeinsam bewältigten wir den restlichen Klettersteig und auf dem Gipfel wurde zur Feier des Tages mit Sekt angestossen. Natürlich gehört zu einer Geburtstagsfeier auch Kaffee und Kuchen, denn fleissige Helfer vorher gebacken hatten und beim Aufstieg mitgenommen haben. Während wir uns also bei Sonnenschein und blauem Himmel an Speis und Trank wohl taten, warteten wir gespannt auf die beiden Kletterer.

Die beiden erschienen leider nicht um aber den Abstieg nicht selbst im dunkeln beginnen zu müssen, brachen wir mit leichten Sorgen auf. Auf dem Weg zur Hütte verabschiedeten sich dann die ersten Mitstreiter, die sich auf den Heimweg nach Friedrichshafen machten. Der Rest lief weiter Richtung Hütte. Dort angekommen erfuhren wir schnell, dass unsere Sorgen unbegründet waren. Die beiden Kletterer hatten sich auf falsche Informationen im Kletterführer verlassen und festgestellt, dass die Tour wesentlich schwerer war als beschrieben. Nichtmal auf die Kletterführer ist mehr Verlass oder?

Am Sonntagmorgen teilten wir uns erneut. Einige genossen ein ausführliches Frühstück und begannen danach mit dem Abstieg über die Lünerkrinne. Die zweite Gruppe, aus nur noch sieben Bergsteigern, begann bei wunderbarem Sonnenwetter einen weiteren Aufstieg. Die Zimba sollte das Ziel sein. Auf dem Zustieg ergab sich uns ein ganz neuer Blick auf den Saulakopf und nach vielem Fachsimpeln erkannten wir, dass der Kletterführer wohl doch Recht hatte. Unsere Kletterer waren einfach nur in die falschen Route eingestiegen.

Zu diesem Pech erwartet uns an diesem Tag ein ähnliches Schicksal. Mussten wir doch, feststellen, dass der Weg noch nicht neu gesichert und sehr brüchig war. Dazu sammelten sich die Wolken um den Gipfel. Schweren Herzens brachen wir die Besteigung ab und nach einem letzten deftigen Mahl auf der Heinreich-Hueter Hütte folgten wir dem Weg unserer Freunde über die Lünerkrinne und konnten so als Entschädigung die späte Sonne am Lünersee geniessen.

Nach einer letzten Einkehr in der Douglashütte folgte der Abstieg über den Bösen-Tritt-Steig und damit das Ende eines rundum gelungen Wochenendes. Womit wir bewiesen hatten, dass es sich auch mal lohnt etwas mehr Gewicht mitzunehmen.
... das schliesst nicht die Seile ein, die für die Kletterei an der Zimba zwar dabei, aber nicht gebraucht haben.

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