Sektionstour auf die Sonklarspitze

Nach dem Mittagsessen führte uns der Weg wunderschön und mäßig steil an einigen kleinen Wasserfällen und unzähligen Hängen voll mit Alpenrosen vorbei hoch zum Timmelsschwarzsee. Ein Bad im See wurde leider vom ortsansässigen Angelverein untersagt, aber die auch die herrschenden Temperaturen animierten uns nicht dazu, mutig zu sein. So ging es nach kurzer Rast am See deutlich steiler hoch zur Windachscharte, welche den Übergang des italienischen Timmelstals zum österreichischen Ötztal bildet. Somit hatten wir mit 2901 müNN auch den höchsten Punkt an diesem Tag erreicht, und mussten nur noch über ein nicht so schönes Geröllfeld zur Siegerlandhütte auf 2700 müNN absteigen. Also hatten wir durch Micha´s Modifzierung nicht nur das schönere Wetter abbekommen, sondern auch unsere Akklimatisation erledigt.

Dann hieß es auf der sehr schnuckeligen Hütte erstmal Zimmerverteilung, wo es für den Autor zu einer Premiere kam, denn er durfte ein Einzelzimmer belegen! Habe gar nicht gewusst, dass es solche auf DAV Hütten gibt. Leider hat dieses schlaftechnisch nicht wie erhofft geholfen, denn das direkt angrenzende sehr geräuschvolle Holztreppenhaus, sowie die Flüssigkeitsaufnahme jeglicher Art von gefühlt fast allen Gästen an diesem Abend sorgte in der Nacht doch für regen Betrieb zur 2 Etagen tiefer liegenden Toilette.

Der Zeitplan von Bernd für unser Hauptziel, die Sonklarspitze auf 3463 müNN, erfuhr dann am nächsten Morgen einen weiteren unfreiwilligen Dämpfer, denn der Hüttenwirt war trotz guten Zuredens durch Micha nur zu einer halbstündigen Vorverlegung der Frühstückszeit bereit. Und das fand dann trotzdem erst um 6:30 Uhr statt! Dieses Verhalten fanden dann nicht nur unsere Teilnehmer sehr sonderbar, sondern auch andere Gäste, denn wir wissen alle, dass gerade bei Hochtouren im Sommer der frühe Vogel den Wurm fängt. Wie auch immer, zum vorverlegten Termin war auf jeden Fall bis auf einen Tisch jeder besetzt. Bis auf den von „a Bärle“, von dem ich noch berichten werde.

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Aufstieg zur Siegerlandhütte und die Kletterei am Grat

Nach dem reichhaltigen Frühstück ging es dann mit leichter Verspätung und mystischen Nebelfladen über zunächst abgeschliffene Felsen zu einem kleinen Bergsee, der teilweise noch mit Eis bedeckt war. Es folgte das unangenehmste Stück, von mehreren Schneeresten unterbrochenes geröllhaltiges Gebiet. Aber was danach kam, entschädigte uns für alle vorher erlebten Strapazen. Allerschönste Blockgratkletterei zweiten Grades!! Und auch die Wolken wurden immer lichter. Nicht alle fühlten sich angesichts der Ausgesetztheit pudelwohl, und leicht war es auch nicht, aber mit Unterstützung der Seilschaftsführer Ingrid, Micha und Schmidtie schafften alle Zwölf auch die mit Fixseil versicherte Schlüsselstelle seilfrei!. Zu guter Letzt kam noch ein wenig Gletscheraufbau, Hohes Eis genannt, welcher aber auch ohne Seil und Eisen locker begehbar war. Danach waren es nur noch ein paar Meter Gehgelände, und das Gipfelkreuz war erreicht.

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Ausblick vom Gipfel

Aufgrund des herrschenden Windes und der kühlen Temperaturen hielten wir uns nur eine Viertelstunde am Gipfel auf, und genossen die herrliche Aussicht auf die umliegende Bergwelt. Und sogar ein Gipfelschnäpschen gab´s dank Peter!
Der Abstieg zur Siegerlandhütte verlief dann auf gleichem Weg wie der Aufstieg, über Gletscherrest, Blockgrat und Geröllfeld. Mit einer kurzen Unterbrechung beim Aufeinandertreffen von vorher genanntem „Bärle“. Wir waren ihre letzte Hoffnung. Irgendjemand hatte in der morgendlichen Alltagshektik doch tatsächlich die falschen Schuhe angezogen, und so kam uns der Mann mit Schuhen des Hüttenwartes entgegen, mit der Hoffnung dass es einer von uns gewesen wäre. Einer nach dem anderen unserer Truppe passierte unter den wachsamen Augen des Mannes die Stelle des Aufeinandertreffens, und tatsächlich, der Letzte von uns Zwölf trug die quasi nagelneuen Schuhe des Mannes!!! Obwohl dies eine sehr ärgerliche Sache ist, blieb der Mann recht freundlich. Respekt hierfür, nicht jeder hätte es ohne Schimpfworte bei dem anschließenden Rück-Schuhtausch belassen.

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Abstieg im Schnee vom "Hohen Eis"

Nach Erreichen der Hütte, drängte ein wenig die Zeit, denn Aushilfsplaner Micha hatte für das letzte Stück Weg einen Kleinbus bestellt, und der wollte erreicht werden. So fiel die Stärkung und Getränkeaufnahme auf der Siegerlandhütte, und Einpacken des auf dem Gipfel nicht benötigten Materials relativ kurz aus. Aber mit Recht, wie sich herausstellte. Der Weg von der Siegerlandhütte herunter zur Fiegl´s Hütte begann mit einem relativ steilen Abstieg, und zog sich dann das lange Windachtal entlang, begleitet von zahlreichen kleinen Bächen und Wasserfällen, welche sich schließlich zur Ötztaler Ach vereinten. Right in time erreichten alle die Hütte. Für die Schnellsten reichte es noch zu einem Bier und einer Kleinigkeit zu Essen, die Letzten schafften grad noch den Bus. Die steile und kurvige Fahrt auf der Forststraße brachte uns dann in das Mekka von Downhill-Bikern und Aprés Ski Fetischisten, Sölden. Erschöpft aber glücklich machten wir uns dann nach der kurzen Verabschiedung auf den 2,5 stündigen Heimweg.
An der Stelle vielen Dank, ich denke im Namen aller Teilnehmer, an Bernd Reik für´s Planen, Micha, Ingrid und den eingesprungenen Schmidtie für´s tolle Führen unserer Truppe.